Hundesteuer, oder, der Ehrliche ist der Dumme

Wäre mir diese Geschichte nicht tatsächlich so passiert,
ich würde sie selbst nicht glauben.

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Es war zudem eine der allerersten Geschichte für diesen Blog.

Im Januar 2016 habe ich bei der Durchsicht meiner Kontoauszüge festgestellt, dass in 2015 gar keine Hundesteuer abgebucht, bzw. von mir überwiesen worden war. Ben habe ich im September 2013 zu mir geholt und ein kurzer Blick in die Kontoauszüge von 2014 zeigte mir schnell, dass ich auch da keine Hundesteuer bezahlt hatte.

Auweia, ich hatte also tatsächlich unseren Staat um ein “Vermögen” geprellt und sah mich im Geiste schon, bei Muckefuck und Zwieback, Dame spielend mit Uli Hoeness, in einer JVA Zelle. Der Uli hatte zwar ein paar Euro mehr auf Seite, bzw. ins Ausland geschafft, aber wie heißt es so schön “vor Gott und dem Gesetz sind alle Menschen gleich”.  Dank seines Geständnisses war er einigermaßen milde davongekommen und deshalb habe ich natürlich auch blitzschnell mein Geständnis verfasst, in dem ich demütigst um Gnade flehte und um Nachberechnung meiner versäumten Hundesteuerschuld.

Die fleißigen Damen und Herren vom Ordnungsamt, reagierten auch, wie man es von ihnen gewöhnt ist, umgehend und schickten mir bereits 14 Tage später eine Rechnung über 364,-€. 52,-€ anteilig für das Jahr 2013 und je 156,-€ für die Jahre 2014 und 2015.

Puh, Glück gehabt, keine Androhung einer Gefängnisstrafe, stattdessen sogar eine schicke Hundesteuermarke 🙂

Am 13.04.16 kam jedoch das nächste Schreiben vom Kassen- und Steueramt der Stadt Köln:

Anhörung wegen Ordnungswidrigkeit

Ihnen wird vorgeworfen, folgende Ordnungswidrigkeit begangen zu haben:

Am 21.01.2016 meldeten Sie Ihren Hund rückwirkend zum 19.09.2013 zur Hundesteuer an.
Nach §8 Absatz 1 der geltenden Hundesteuersatzung der Stadt Köln (HuStS) in der derzeit gültigen Fassung waren sie verpflichtet, die Anmeldung zur Hundesteuer
4 Wochen nach der Aufnahme des Hundes vorzunehmen. Dies ist jedoch nicht geschehen. Dieser Tatbestand stellt gemäß § 10 HuStS eine Ordnungswidrigkeit im Sinne des § 20 des Kommunalabgabengesetz dar.

Nach § 55 OWiG gebe ich Ihnen die Gelegenheit, sich innerhalb 14 Tagen nach Zugang dieses Schreibens zu dem Vorwurf zu äußern. Sie können auch innerhalb dieser Frist zu den genanntenSprechzeiten vorsprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Ich bin aus allen Wolken gefallen. Hatte ich mich jetzt doch tatsächlich strafbar gemacht? Meine Gedanken kreisten um die mir jetzt bevorstehende Inhaftierung. Was darf ich mitnehmen? Wer kann mir seinen Tennisschläger leihen? Passt mein 55″ TV in die Zelle? Haben die Kabel- oder Satellitenanschluss in den Zellen? Gibt es Dauerparkplätze an der JVA, oder reise ich besser mit der KVB an? Muss mein Ben dann mit in Haft? Schließlich ist er ja der Grund, warum das alles überhaupt passiert ist.

Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort wusste.

Wie sagt man so schön, Angriff ist die beste Verteidigung, also auf nach Chorweiler und persönlich mit der Dame vom Kassen- und Steueramt sprechen. Es wäre doch gelacht, wenn sie nicht auch meinem unwiderstehlichen Charme erliegen würde 😉

Frisch geduscht, rasiert, gekämmt und adrett gekleidet bin ich dann am 26.04.16 ins Büro der Frau S. spaziert, habe meinen schönsten Dackelblick aufgesetzt und mich in feinstem Hochdeutsch erklärt:

“Mir ist das höchst unangenehm, Ben ist mein Erst-Hund, meine damalige Freundin hatte mir versichert, dass sie die Hundesteuer bezahlt hat, ich wusste nicht, ob mein Hund es so lange bei und mit mir aushalten würde, die Vorbesitzer haben mir erzählt, dass Ben als Pflegehund für Pflegefälle von der Hundesteuer befreit wäre und überhaupt, eigentlich hätte ich ja jetzt nur 3 Jahre nach einem Vorwand gesucht, sie endlich persönlich kennenlernen zu dürfen.”

Ich kam mir vor, wie damals in der Realschule, wenn ich im Deutsch Unterricht ein Gedicht, oder im Englisch Unterricht die amerikanische Unabhängigkeitserklärung aufsagen musste.

Der Erfolg meines Vortrags war dann auch genauso erfolgreich, wie in der Schule.

Frau S.: “ich nehme das zur Kenntnis, sie bekommen demnächst den Bescheid von der Bußgeldstelle”

Ich unternahm einen letzten, verzweifelten Versuch: “Entschuldigung Frau S., aber der Ehrliche ist anscheinend wirklich der Dumme”.

Ihre Antwort war jedoch auch diesmal wieder kurz und knapp: “dazu darf ich ihnen leider nichts sagen”.
Manchmal ist keine Antwort eben doch eine Antwort.

Die Zeit verging und ich hatte schon die leise Hoffnung, dass ich um den Bußgeldbescheid herumkomme. Jedem, dem ich die Geschichte erzählt habe, konnte sich auch keinen anderen Ausgang dieser Geschichte vorstellen.

Am 05.09.16 war dann aber leider doch genau dieser Bußgeldbescheid in meinem Briefkasten. Ich war zu der Zeit im Schwarzwald zur Reha und meine Ma hat ihn mir am Telefon vorgelesen:

“Wegen dieser Ordnungswidrigkeit(en) wird gegen Sie
1. eine Geldbuße festgesetzt (§§ 65, 66 OWiG) in Höhe von                                       125,00 EUR
2. Außerdem haben Sie die Kosten des Verfahrens zu tragen (§§ 105, 107
OWiG i.V. mit §§ 464 Abs. 1, 465 StPO), die wie folgt festgesetzt werden:
a) Gebühr                                     25,00 EUR
b) Auslagen                                    3,50 EUR
c) sonstige Auslagen                    0,00 EUR
zu zahlender Gesamtbetrag    153,50 EUR

Falls Sie weder die Zahlungsfrist einhalten, noch Ihre Zahlungsunfähigkeit rechtzeitig erklären, wird der
fällige Betrag zwangsweise beigetrieben. Auch kann das Amtsgericht gegen Sie Erzwingungshaft bis zur
Dauer von 6 Wochen anordnen.

Hat zufällig jemand von euch einen Tennisschläger, den er mir leihen könnte? 😉

Mein Fazit: Der Ehrliche IST in diesem Land der Dumme!!

Wie soll ich einem Kind beibringen ehrlich zu sein, wenn es Angst haben muss, für diese Ehrlichkeit bestraft zu werden?

Was soll ich jemand raten, der seinen Hund auch noch nicht Steuerlich angemeldet hat?

Hätte ich Ben zum 01.01.16 angemeldet, hätte ich nicht nur das Bußgeld gespart, sondern auch die Hundesteuer für 2 1/2 Jahre, insgesamt: 517,50 EUR.

und selbst wenn mich ein Mitarbeiter des Ordnungsamts auf die Steuerplakette für Ben angesprochen hätte, hätte ich nichts zahlen müssen. Dann wäre mein Hund eben gerade erst zu mir gekommen und ich würde ihn natürlich selbstverständlich jetzt auch sofort zur Hundesteuer anmelden.

Es sollte leider nicht mein einziges “Vergnügen” mit dem deutschen Amtsschimmel sein, aber dazu an anderer Stelle mehr.

17 Kommentare zu “Hundesteuer, oder, der Ehrliche ist der Dumme

  1. Pingback: Die Ehrlichen bestraft der Staat - Renate Blaes

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