Der Mann, der die Frauen liebte

Nachdem meine letzten Geschichten ja nicht ganz so lustig waren, möchte ich zu eurer und meiner Abwechslung mal wieder über ein nicht so ernstes Thema schreiben, auch wenn sich selbst in diesem Bereich später einige Dramen ereignen sollten.

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Es geht um die holde Weiblichkeit, für die ich mich schon sehr früh zu interessieren begann. Mein Lieblings Opa, der eine, von der Vorgebirgstraße, hat mir nämlich nicht nur den Fußball nähergebracht, sondern, wenn auch sicher unbeabsichtigt, gezeigt, wie man mit Frauen flirtet.

Er war ein überaus humoriger Mann, immer Top gepflegt und vom Duft eines gut riechenden, wenn auch preiswertem After Shave umgeben, dazu gut gekleidet, in den 60 er Jahren gerne auch mit Hut. So ging er mit mir spazieren und am Sonntag, wenn ich mal wieder ein Wochenende bei meinen Großeltern verbracht habe, zum Frühschoppen in die kleine Kneipe an der Ecke. Saßen Damen an der Theke, oder an den Tischen, lüftete Opa kurz den Hut und begrüßte sie mit einem fröhlichen und nicht etwa aufgesetztem „Guten Morgen die Damen, ich freue mich sie zu sehen“.

Die erste Bestellung bestand stets aus einem Kölsch für ihn und einer Limo für mich. Danach drückte er mir eine Mark in die Hand, die ich dann gleich an den Flipper weitergab, der in der Kneipe stand und für den ich mich zu dieser Zeit doch noch etwas mehr interessierte, als für die evtl. anwesenden Mädchen in weißen Strumpfhosen in schwarzen Lackschuhen, kurzem Röckchen und frisch gebügelten Blüschen. Die spielten eh lieber vor der Tür mit ihren Puppen, oder bekritzelten die Bierdeckel mit Blumen, unidentifizierbaren Tieren und der unvermeidlichen Sonne, die auf jedem Bild auftauchen musste. Heute erledigen sie das mit einer App, während sie sich über ihre pinkfarbenen Kopfhörer ihre Musik Downloads anhören und gar nicht mitbekommen, wenn sie jemand anspricht. Aus den Lackschuhen sind inzwischen Sneakers geworden, aus den Strumpfhosen und Röckchen Leggins und aus den Blüschen bauchfreie Tops.

Wenn ich die Mark verflippert hatte und sich niemand fand, der mir das Weiterspielen mit einer kleinen Geldspende möglich machen wollte, ging ich zurück zu meinem Opa an die Theke. Es kam aber auch vor, dass Opa dann am Tisch bei den Damen saß und seine Witzchen zum Besten gab. Ab und zu, wenn die Witze mal nicht so ganz jugendfrei waren, kicherten die Frauen verschämt und ihre vorher noch vornehme Blässe, wechselte in ein leuchtendes Rot. Am lautesten lachte dann mein Opa und damit er nicht so auffiel, habe ich mitgelacht, obwohl ich seine Witze so gut wie nie verstanden habe, weil mir die weibliche bzw. eigene Anatomie zu diesem Zeitpunkt noch nicht so geläufig war. Was ich aber bereits da gelernt habe war, dass Frauen Männer mit Humor mögen und ich kann heute, bei aller Bescheidenheit, sagen, dass auch ich später damit meine größten Erfolge bei den Frauen haben sollte.

Mit den Jahren fiel es meinem Opa leider immer schwerer mit mir spazieren, oder in den Frühschoppen zu gehen, auch wenn er sich das nie anmerken ließ. Als Kind habe ich das natürlich nicht gleich verstanden und erst kürzlich hat meine Ma mir die genaue Geschichte erzählt.

Mein Opa hatte 1943 einen Fuß verloren, als er zwei Vorgesetzte durch ein leerstehendes Haus führen sollte und auf eine Mine trat, die gleich am Eingang versteckt war. Die beiden Vorgesetzten hatten sich zuerst geweigert ihm zu helfen, aus Angst selbst auf eine weitere Mine zu treten. Opa bat sie dann, ihm zumindest eine Decke zuzuwerfen, auf der sie ihn dann letztendlich doch, schwerstverwundet, aus dem Haus ziehen konnten. Die letzten beiden Jahre des 2. Weltkrieg verbrachte er dann in diversen Lazaretten, in denen ihm nach und nach sein Bein immer weiter amputiert wurde, bis er schließlich 1945 Unterschenkelamputiert entlassen wurde. Der 2. Weltkrieg war vorbei, Deutschland lag zum größten Teil in Trümmern und gerade Köln hatte es am schlimmsten erwischt.

Allein meine Heimatstadt wurde im 2. Weltkrieg ca. 260-mal aus der Luft angegriffen und rund 20.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Der verheerendste Angriff fand in der Nacht zum 29. Juni 1943 statt, bei dem etwa 4.300 Menschen starben und fast 230.000 obdachlos wurden, unter ihnen meine Oma, mit ihren 2 Kindern, meiner Ma, damals gerade mal 5 Jahre alt und ihrer ein Jahr älteren Schwester.

Sie wurden nach Sangerhausen im Südharz deportiert und lebten bis zum Kriegsende auf einem Bauernhof. Dort holte sie mein Opa dann ab, in dem er einen einfachen Bollerwagen baute und sich mit seiner Frau und seinen zwei Kinder zu Fuß auf den 400 km(!!) langen Heimweg nach Köln machte. Ob sie dabei an das 1936 von Willi Ostermann komponierte Lied „Heimweh noch Kölle“ dachten, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass mein Opa auf ewig mein Held sein wird. Noch heute, fast 31 Jahre nach seinem Tod, denke ich noch oft an ihn und das Lied kann ich immer noch nicht hören, ohne dass die Tränen anfangen zu fließen.

Die Geschichte dieses Liedes, incl. kölschem Text und der Übersetzung ins Hochdeutsche, ist hier nachzulesen:

https://de.wikipedia.org/Wicki/Heimweh_nach_K%C3%B6ln#Text

und hier ist das Video von YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=ECZ7-V5G0AI

Ich habe weder meinen Opa, noch meine Oma und auch nicht meine Eltern, jemals über ihre Erlebnisse jammern gehört. Klar, es gab einige Bilder, auf denen mein Opa als Soldat in Uniform zu sehen war, aber selbst wenn ich in meiner kindlichen Naivität mal ein paar Fragen stellte, wurde schnell das Thema gewechselt. Ihnen war viel wichtiger, dass sie das Grauen überlebt und die Energie und den Willen aufgebracht hatten, nochmal ganz von vorne anzufangen.

Der 2. Weltkrieg und der damit verbundene, schreckliche Holocaust waren übrigens auch in der Schule ein Tabuthema, dass weder in den Geschichtsbüchern, noch im Unterricht vorkam. Heute, über 70 Jahre nach Kriegsende, sieht man dagegen von morgens bis abends irgendwelche Dokus und nicht müde werdende Politiker in Talkrunden, die uns an unsere Schuld an diesem Krieg erinnern.

Ich bin froh, dass mein Opa und meine Oma sich diese Lügen und Hetzereien der heutigen Politiker nicht mehr anhören müssen. Nicht jeder Deutsche war ein Nazi und wieder aufgebaut wurde dieses Land von deutschen Frauen, Kindern und den Männern, die das Glück hatten diesen grausamen und sinnlosen Krieg überhaupt überlebt zu haben bzw. nicht in Gefangenschaft geraten zu sein.

Genug der Historie meiner Familie und zurück in die 70 er Jahre. Im TV liefen zu der Zeit ohne Ende Unterhaltungssendungen, leichte Kost für die ganze Familie. „Was bin ich“, „Dalli Dalli“, „Erkennen sie die Melodie“, „Der blaue Bock“ und aus Berlin die ZDF Hitparade. Heinz Schenk, Peter Alexander, Hans Joachim Kulenkampff, Dieter Thomas Heck, u.v.a.m.  moderierten diese Sendungen, die von einer fast schon erfrischenden Banalität waren. Der Deutsche wollte an seinem Feierabend und am Wochenende „unterhalten“ werden und genau darauf waren diese Sendungen ausgelegt. Das Rumzappen konnte man sich sparen, weil es eh nur 3 Programme (ARD, ZDF, WDR) gab und die Fernbedienung auch noch nicht erfunden war.

Wenn man heute jemand erzählt, dass Millionen vor den TV Geräten saßen und sich mit einem Sattler aus Oberammergau freuten, wenn er für jede Frage eines vierköpfigen Rateteams, die er mit „Nein“ beantworten konnte, vom Moderator 5 Mark in ein kleines Porzellan Sparschwein geworfen bekam, bekommt man bestenfalls ein mitleidiges Lächeln, schlimmstenfalls, wegen Verbreitung groben Unfugs, eine Zwangsjacke verpasst.

Frauen spielten in dieser Zeit noch eine sehr untergeordnete Rolle. Ich kann mich auch beim besten Willen an keine Moderatorin einer großen Samstag Abend Sendung erinnern. Karin Tietze-Ludwig durfte die Ziehung der Lottozahlen moderieren und es gab ein paar ganz nett anzusehende Ansagerinnen, die uns den Programmablauf von einem Blatt vorlasen. Dabei kam es immer wieder zu herrlichen Stilblüten, zum Beispiel:

„Der Film „Das schwarze Loch“ entfällt, stattdessen zeigen wir ihnen „Mainz wies singt und lacht“

Der Fairnesshalber muss man sagen, dass es diesen unbeabsichtigten Wortwitz auch bei den männlichen Kollegen gab. Unvergessen ist dabei Heinz Maegerlein, der bei der Übertragung eines Skirennens den Satz in die deutschen Wohnzimmer schickte:

„Tausende standen an den Hängen und Pisten.“

Das Kopfkino muss in dieser Zeit erfunden worden sein.

Die Top Showmaster hatten immer eine bezaubernde Assistentin, die ihnen den Umschlag mit den Quizfragen für die Kandidaten, oder bei auftretender Mundtrockenheit ein Glas Wasser anreichen durften. Da soll noch mal einer sagen, dass die Frauen uns Männern nicht das Wasser reichen können 😉

Sex war, abgesehen von ein paar zotigen Sprüchen von „Kuli“ und dem in knappen Kostümen über den Bildschirm tänzelnden ZDF Fernsehballett, verpönt. In der Hitparade trällerten Marianne Rosenberg, Mary Roos, Peggy March, Dahlia Lavi und all die anderen Stars der damaligen Zeit ihre Schlager, immer adrett gekleidet, wie im übrigen auch ihre männlichen Sangeskollegen. Sendungen wie Schwiegertochter oder -sohn gesucht hätten sich damals vor potenziellen Kandidaten nicht retten können. Früher reichten die Stimmbänder, um die Menschen zu begeistern, heute muss schon möglichst viel nackte Haut dazu präsentiert werden, um einigermaßen erfolgreich zu sein.

Mein Opa strahlte über das ganze Gesicht, wenn Wenke Myrrhe, die „Knallbotz“ ins knallrote Gummiboot stieg oder Lena Valeitis, datt „lecker Diersche“ ihren Johnny Blue anschmachtete. Die Übersetzung ins Hochdeutsche spare ich mir diesmal, weil wohl kaum jemand die Worte „Knallhose“ und „leckeres Tierchen“ als Kompliment ansehen bzw. verstehen wird.

Irgendwann, es muss so Mitte der 70-er Jahre gewesen sein, begann mein Opa neben dem Express und der Bild Zeitung auch die Zeitschriften „Praline“ und „Wochenend“ zu lesen. Ich weiß allerdings bis heute nicht, ob er wirklich jemals ein Wort darin gelesen, oder sich nur die Bilder der freizügigen Damen angesehen hat. Ab und zu hatte ich die Aufgabe, ihm die Zeitungen zu bringen und wenn das dann noch an einem Donnerstag war, bekam ich zumindest die Titelseiten dieser Zeitschriften zu sehen. Leider nur sehr kurz, denn Herr und Frau Schmitz im Tabakwarenladen an der Ecke, bei denen ich übrigens heute noch meine Zeitungen hole und meinen Lottozettel abgebe, beeilten sich immer, mir die Zeitungen für meinen Opa zu rollen. Außen Bild, Express und in der Mitte Praline, Wochenend, fest verschnürt mit 2 Gummis, damit ich auch ganz sicher keinen Blick zu viel erhaschen konnte.

Verbotene Früchte schmecken aber nun mal am besten, also lauerte ich auf jede Gelegenheit, in Opas Zeitungen zu blättern. Machte Opa ein Nickerchen auf der kleinen Couch, schnappte ich mir eines der beiden Magazine, legte es auf den Express, oder die Bild und hielt es mir vor die Nase. Falls meine Oma mal ins Zimmer kam, sah sie nur die Titelseite der Tageszeitung und ging dann beruhigt zurück in die Küche. Ab und zu kam von ihr vorher noch der Satz: „halt die Zeitung nicht so dicht vors Gesicht, du verdirbst dir die Augen“. Ach Oma, wenn du wüsstest, wie gerne ich mir in diesen Momenten die Augen verdorben habe. Jetzt weiß ich wenigstens, warum ich später, beim Anblick von realen, nackten Tatsachen, nicht nah genug und nicht nur mit den Augen, an diese gehen konnte.

Je älter ich wurde, umso offener wurde der Umgang mit den immer freizügiger werdenden Zeitschriften und TV Sendungen. Jetzt wurde ich nicht mehr aus dem Zimmer geschickt, oder die Zeitungen vor mir versteckt und für mich war auch endlich die Zeit gekommen, mir die Anatomie der Frau mal aus der Nähe und am lebenden Objekt zu betrachten.

Das war allerdings leichter gesagt als getan. Ich hatte zwar hier und da Knutschkontakte, aber sobald ich mich beim damit einhergehenden Fummeln dem BH Verschluss näherte, war Schluss mit lustig. Entweder gabs einen verbalen Rüffel, oder, wenn ich den überhört hatte, auch mal was auf die neugierigen Fingerchen.

Diese Erlebnisse müssen letztendlich der Auslöser für meine heute noch andauernde BH Aversion gewesen sein. Ich habe auch nie einen Hehl aus dieser Abneigung gemacht und im Laufe der Jahre so manche lustige Episode dadurch erleben dürfen.

1990 hatte ich, ausgerechnet beim WM Spiel Deutschland gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, Besuch eines süßen Mädels mit beeindruckender Oberweite, die sich überhaupt nicht für Fußball interessierte und sich fest vorgenommen hatte, mich von diesem Spiel abzulenken. Ich hatte ein Deutschland T-Shirt an, sie ein schulterfreies Top. Zuerst war alles gut, sie lag in meinem Arm auf der Couch und ich konnte in Ruhe verfolgen, wie Völler und Klinsmann uns bis zur Halbzeit mit 2:0 in Führung geschossen hatten. In der Halbzeit richtete sie sich dann auf und sah mich mit einem Blick an, der mir sagte, dass ich von der 2. Halbzeit wohl nicht mehr viel mitbekommen sollte. Und so war es auch. Sie zog zuerst das Top, dann den BH aus und ich musste zugeben, dass ihre Bälle bedeutend schöner waren, als die, die unsere Jungs den Wüstensöhnen in der 2. Halbzeit noch ins Netz legten. Das Spiel endete übrigens 5:1 für Deutschland, aber das interessierte mich dann doch eher weniger. Gegen die Waffen einer Frau, ist man(n) halt machtlos.

Ein anderes Mal, wir hatten wieder mal Tagung von RCA Columbia in München, klopfte es abends an meine Zimmertür. Vor mir stand eine liebe Kollegin, mit der ich schon ein paar mal geflirtet hatte. Ganz Gentleman, wie ich nun mal bin, hatte ich sie gerade hereingebeten, als aus dem TV das Original Naabtal Duo mit seinem Welthit „Patrona Bavariae“ erklang, was sie in schallendes Gelächter ausbrechen ließ.

In dem Lied heißt es:

Patrona Bavariae,
Hoch überm Sternenzelt,
Breite deinen Mantel aus,
Weit über unser Land. …

Noch bevor ich nach dem Grund ihres Heiterkeitsausbruchs fragen konnte, breitete sie ihren Mantel aus, unter dem sie nur einen Slip und den Duft eines betörenden Parfums trug. Auf einen BH hatte sie verzichtet, mir zuliebe, wie sie einige Zeit später zugab. Leider ist es bei dieser einen Begegnung geblieben, weil entweder sie oder ich danach wieder in festen Partnerschaften waren, aber ich konnte mir lange Zeit ein debiles Grinsen nicht verkneifen, wenn das Lied im Radio, oder TV lief.

Jetzt aber wieder zurück zu den Anfängen meiner Liebesabenteuer.

Gegen Ende meine Realschulzeit hatte ich mich mit zwei Klassenkameraden in der Tanzschule angemeldet. Eine Idee, von der auch meine Eltern sehr angetan waren. So war wenigstens einigermaßen gesichert, dass ich bei meiner doch sicher irgendwann stattfindenden Hochzeit den Eröffnungswalzer aufs Parkett legen konnte.  Den Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs habe ich ja noch mitgemacht, aber das wars dann auch mit meiner Begeisterung für den Tanzsport. Den Tanzschulen blieb ich aber trotzdem treu, weil die ab und zu Discoabende veranstalteten und ich mit meinen 16 Jahren noch zu jung für die großen Discos auf den Kölner Ringen, oder in der Altstadt war.

Ein Jahr später lernte ich in der sonntäglichen Jugend Disco Gabi S. aus Lindenthal kennen, die dann meine erste feste Freundin wurde. Mit ihr war ich über 2 Jahre zusammen und wir wären sicher auch noch länger zusammengeblieben, hätte ihre Mutter nicht andere Pläne für ihre Tochter gehabt. Statt dem einfachen Kaufmannsjungen aus Köln Zollstock, der gerade seine Grundausbildung bei der Bundeswehr absolvierte, sollte es ein Rechtsanwalt, oder Arzt für ihre Tochter sein. Sie selbst war mit einem Postboten verheiratet, den sie, wie sie bei jeder passenden Gelegenheit freimütig erzählte, aber nicht nochmal heiraten würde. Wenn man als junger Mensch so von seiner Mutter unter Druck gesetzt wird, dann bleibt einem fast keine andere Wahl, als sich irgendwann diesem Druck zu beugen und so war es auch bei Gabi. Sie schrieb mir einen langen Brief, in dem sie sich bei mir entschuldigte und unsere Beziehung beendete. Ich habe ihr nie einen Vorwurf gemacht. Es war halt eine andere Zeit, in der es den Männern vorbehalten war arbeiten zu gehen, die Familie zu ernähren und die Frauen sich ausschließlich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern hatten. Erst 1993 sollte ich mit Malisa S. bei RCA Columbia, zum ersten Mal eine Frau als Vorgesetzte bekommen.

  Gabi S., meine erste große Liebe.

Obwohl ich so lange mit Gabi so lange zusammen war, sollte es noch bis zu meinem 20. Lebensjahr dauern, bis ich meinen ersten Sex hatte. Gabi wohnte, genau wie ich, noch zu Hause, unsere Eltern ließen uns so gut wie nie alleine, ein Auto hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht und wir wollten beide auch nicht unser erstes Mal in einem Wald, oder auf einer Wiese erleben, also begnügten wir uns mit gelegentlichem Petting, wenn sich denn mal eine Gelegenheit ergab, oder mit endlosen Knutschereien auf irgendwelchen privaten Partys.

Nach Gabi wollte ich zwar erstmal meine Ruhe haben, aber weil ich jede freie Minute auf der Piste war, dauerte es nicht lange und ich lernte Carmen kennen. Sie war eine Arbeitskollegin meiner Schwester und kam mit ihrem Freund zu deren Geburtstagsfeier im Sound Cologne, meiner damaligen Stamm Disco auf der Luxemburger Straße. Nachdem ich ein paar Kölsch intus und meine Eifersucht wieder unter Kontrolle hatte, weil Gabi mit ihrem neuen Freund aufgetaucht war, ging ich zu Carmen und flüsterte ihr die liebevollen und höchst romantischen Worte ins Ohr: „wenn du das Dööfchen los bist, kannste dich ja mal melden“.  Es dauerte keine Woche und sie rief an. Mein ganzes Leben lang, habe ich nie wieder eine Frau so plump und dreist angesprochen, auch wenn mir schon damals desöfteren aufgefallen war, dass Frauen viel mehr auf „Bad Guys“, als auf anständige Männer stehen.

Warum das so ist, habe ich allerdings nie genau herausfinden können. Vielleicht sind ihnen ja doch ein paar Neanderthalergene aus der Steinzeit übertragen worden, als die Männer den Frauen eins mit der Keule übergebraten haben, um sie anschließend an den Haaren in ihre Höhle zu schleifen. Waren die Frauen dann wieder bei Bewusstsein, bedankten sie sich artig für die freundliche Eroberung und schmissen ihm, zum Zeichen ihrer Ergebenheit, gleich eine Brontosauruskeule auf den Grill.

Schnell war klar, dass Carmen und ich jetzt ein Paar waren. Allein die Tatsache, dass sie jeden Tag 8 Stunden mit meiner Schwester in einem gemeinsamen Büro saß und sie über Heike auch schon meine Eltern kennengelernt hatte, sorgten dafür, dass wir es gar nicht langsam angehen lassen konnten. Erschwerend hinzu kam, dass Carmens kleiner Bruder ausgerechnet von der Frau meines Kompaniechefs unterrichtet wurde und die sogar noch in unmittelbarer Nachbarschaft von ihrem Elternhaus in Niederkassel wohnten.

 Carmen A. 😊

Ich hatte damit aber auch kein großes Problem. Carmen war zwar ein Jahr jünger, als ich, hatte aber schon erste Erfahrungen sammeln können und sie ließ auch schnell zu, wenn meine Hände beim knutschen mal wieder auf Wanderschaft gingen. Wie man einen BH mit 2 Fingern einer Hand öffnet, konnte ich bei ihr dadurch auch perfektionieren.

Am 29. November 1981 waren meinen Eltern ausnahmsweise mal nicht zu Hause, sondern auf einer Familienfeier, auf die meine 2 Jahre jüngere Schwester und ich nicht mitgehen mussten. Heike war zu dem Zeitpunkt mit einem Typ, Ingo S., zusammen, der ebenfalls in Niederkassel wohnte und bereits Auto und Führerschein besaß. Man muss kein Planungsgenie sein, um diese Gunst der Stunde zu nutzen. Ingo brachte Carmen mit nach Zollstock, wir setzten uns in die Küche, hörten Musik aus dem Cassetten Rekorder und redeten über alle möglichen Themen, die uns damals interessierten. Irgendwann kam meine Schwester dann auf die Idee, dass es doch eigentlich ganz nett wäre, wenn man ein bisschen mit seinem Partner alleine sein könnte. Ich kann es zwar nicht beschwören, könnte mir aber gut vorstellen, dass sie das genau so vorher mit Carmen verabredet hatte.

Heike blieb mit Ingo in der Küche, die genaugenommen ein großer Raum mit einer Kochnische war. Meine Eltern waren 1961 dort eingezogen und damals war die Küche nun mal der größte Raum einer jeden Wohnung. Dort hielt sich die Familie die meiste Zeit des Tages auf, da wurde gegessen und Kaffee mit der zum Plausch kommenden Nachbarin getrunken und es hatte sogar jeder bei den Mahlzeiten seinen festen Platz am Tisch. Dazu gab es noch das Schlafzimmer meiner Eltern, ein Wohnzimmer für gemütliche Abende vor dem TV, oder Familienfeiern und ein Bad mit WC. Das Ganze verteilt auf 67 m², auf der 3. Etage in einem 12 Parteien Mietshaus.

Wenn meine Ma dann endlich Feierabend hatte, wurde die Kochnische durch einen großen Vorhang verdeckt und der Rest war dann das Zimmer von meiner Schwester und mir. Unsere komplette Kindheit und Jugend haben wir so verbracht, aber wirklich gestört hat es uns eigentlich nie.

Carmen und ich verzogen uns ins Wohnzimmer. Als ich 10 Minuten später unsere Getränke und den Aschenbecher aus der Küche holen wollte, war die Tür abgeschlossen und, ich weiß bis heute nicht warum, wollte weder meine Schwester, noch Ingo die Tür nochmal öffnen. 😉

Der große Tag war also endlich gekommen. Bis dahin hatte ich immer nur neidisch meinen Kumpel zugehört, wenn sie von ihren erotischen Abenteuern berichteten. Ganz ehrlich? Nach meinem ersten Mal habe ich über die Hälfte dieser Geschichten ins Reich der Fabeln und Märchen verwiesen.

Ich werde jetzt auch nicht ins Detail gehen, ein Kavalier genießt und schweigt schließlich, selbst in seiner Biografie. Nur so viel, mir hat Carmen danach leidgetan. Sie hatte am wenigstens davon, obwohl sie sich alle Mühe gegeben hat, meinen Adrenalinspiegel herunterzufahren. Jeder Mann, der sein erstes Mal unter „normalen“ Umständen erlebt hat, wird wissen, wovon ich rede.

Pssssst, im Vertrauen, den letzten Absatz zu schreiben hat länger gedauert, als …

Schon gut, ich wollte ja schweigen

Mit Carmen war ich bis Frühsommer 1982 zusammen und ich bin ihr heute noch dankbar für diese Zeit. Das Howard Carpendale Konzert mit ihren Eltern in der Sporthalle, bei dem ihr Vater und ich, nach etlichen Bechern Kölsch, die Halle gerockt haben, während Carmen und ihre Mutter, die eigentlichen Carpendale Fans, schweigend und mit betretenen Mienen auf ihren Plätzen saßen, ist ebenso unvergessen, wie Karneval 1982, als ich mit ihr 5 Tage in einem kleinen Ferienhaus in Schalkenmehren, in der Vulkaneifel war und wir die Zeit für uns wirklich komplett genutzt haben. Wer weiß, was aus uns geworden wäre, wäre sie damals wirklich schwanger gewesen. Sogar über eine Verlobung hatten wir schon nachgedacht, als sich ihre Vermutung dann doch nicht bestätigte.

So trennten wir uns im Frühsommer 1982. Die Zeit bis zur nächsten festen Freundin versüßte ich mir mit ein paar belanglosen Affären, bei denen man nun wirklich nicht von einer Beziehung sprechen konnte und meinem ersten Cala Figuera Urlaub, über den ich aber eine extra Geschichte schreiben werde. Im Gegensatz zu den schlechten Erfahrungen die ich mit der ersten Zigarette und dem ersten Alkohol gemacht hatte, gefiel mir mein drittes Laster inzwischen so gut, dass ich mehr davon haben wollte und auch bekam.

~~ wird fortgesetzt ~~

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