Ben – mein neues Leben in der Großstadt – Teil 2

Pssst, ich bins wieder, euer Ben. Herrchen hat sich ne Stunde hingelegt und ich nutze das natürlich aus, um euch eine weitere Geschichte aus meinem Leben erzählen.[Weiterlesen]

Nach der Katsa …, ääähhh, Kana…, ääähhh, ach, ihr wisst schon, nach dem Schnipp Schnapp an meinen Kronjuwelen, hat sich mein Leben mehr verändert, als mir das lieb war. Ich habe zwar nach wie vor die Kolleginnen und Kollegen draußen beschnuppert, die Mädels natürlich etwas intensiver 😉 aber irgendwie war das jetzt anders, als vorher. Hatte ich ein hübsches Weibchen erschnüffelt und die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit, ging da trotzdem nichts mehr, obwohl mein Sextrieb immer noch vorhanden war. Hat mal jemand von euch Dreibeinern versucht (s)einer Frau zu erklären, warum er zwar will, aber nicht kann? Vergesst es, das begreifen die nicht. Meine Hundedamen grinsten mich nach dem 4. vergeblichen Versuch auch nur noch verächtlich an, wendete ihren Kopf von mir ab und suchten sich einen anderen Verehrer. Von Kopfschmerzen und Jobstress wollten die erst recht nichts hören.

Etwas Gutes hatte das Ganze aber dann doch. Meine Potenzprobleme schienen sich nämlich auch auf mein Herrchen zu übertragen, oder warum schlief der plötzlich immer öfter im Wohnzimmer auf der Couch und ich durfte zu Frauchen ins Bett? Das hat es vorher nie gegeben. Im Gegenteil, da waren beide darauf bedacht, dass ich aus dem Schlafzimmer verschwand, um mir aus meinem Körbchen dann ihr Gepolter und Gestöhne anhören zu müssen.

Eines Tages ging Frauchen spät abends noch weg und nahm den Junior mit. Herrchen blieb bei mir, telefonierte kurz und eine halbe Stunde später kam eine andere Frau in die Wohnung. Die war echt lieb, hat mich gekrault und mir Leckerchen gegeben, ohne sie mir wieder weg zu nehmen, wie das der Bengel immer noch zwischendurch tat. Sie war allerdings auch sehr pingelig. Nachdem sie mich 10 Minuten gestreichelt und sich von mir die Hände hatte ablecken lassen, ging sie ins Bad und kurz danach hörte ich, wie die Dusche anging. Weil alles neu für sie war, hat das wohl mit der Temperatur nicht so richtig gepasst und sie rief „kannst du bitte mal kommen“. Als ich gerade aufspringen und ihr zu Hilfe eilen wollte, stand Herrchen auf, entledigte sich seiner Kleidung, schob mich mit dem Fuß wieder Richtung Couch und verschwand ebenfalls im Bad. Pfffft, na warte, das erzähle ich alles dem Frauchen.

Aber Frauchen kam jetzt immer seltener nach Hause und wenn dann nur, um Koffer und Kisten zu packen. Dafür erschien Frauchen 2 jetzt immer öfter in der Wohnung, manchmal sogar ohne das Herrchen sie vorher anrufen musste. Herrchen hatte wohl auch einen neuen Job und war jetzt ein ganz wichtiger Mann beim Amt für Umweltschutz, denn immer, wenn er sie doch angerufen hat, sagte er nur kurz „die Luft ist rein“ und legte dann schnell wieder auf.

Nach mir fragte groß keiner mehr. Man stellte mir morgens einen Napf mit Wasser und einen anderen mit so nem ekelhaften Billig Trockenfutter hin und das wars dann für den Tag. Herrchen arbeiten, Frauchen arbeiten, Frauchen 2 arbeiten und der Junior in der Schule. Wenn der mittags nach Hause kam, hat er sich gleich in sein Zimmer verzogen, oder sich im Wohnzimmer vor den Fernseher gehockt. Coole Filme hatte der Bursche aber, das muss man ihm lassen. In einem wurde ein Fußballspiel gezeigt, in dem die Spieler so ganz komische Bewegungen machten und der Kommentator immer das selbe sagte. „toller Pass“, „das wird das Tor des Monats“, oder „die Zuschauer sind begeistert“. Dabei hatte der Junior so einen kleinen Kasten in der Hand, ich vermute mal die TV Fernbedienung, auch wenn er so tat, als könnte er damit die kleinen Männchen dirigieren. Manchmal kam auch ein Kumpel von ihm vorbei und dann saßen sie zu Zweit vor dem TV, jeder mit ner Fernbedienung. Hihi, die Doofen, die können doch eh nur ein Programm gucken. Merkwürdig war nur, dass es meistens das selbe Fußballspiel war, mit den selben Spielern, die die selben komischen Bewegungen machten und auch immer mit dem gleichen Reporter. Naja, hauptsache, sie hatten Spaß und ärgerten mich nicht.

So richtig langweilig war es mir nur, wenn gar keiner zu Hause war. Das kannte ich so nicht. Früher war immer einer da, oder ich wurde zwischendurch wenigstens mal von Frauchens Mama abgeholt, damit ich mich draußen erleichtern konnte, aber die hatte ich jetzt schon lange nicht mehr gesehen. Meine Blase war jedenfalls abends, wenn sich dann endlich mal wieder jemand um mich gekümmert hat, immer bis an den Rand gefüllt.

In meinem Frust habe ich dann angefangen und sämtliche Decken, Kissen und Schuhe durchlöchert, oder ich bin die Wände hochgegangen. Ihr glaubt mir nicht? Das war aber wirklich so und ich kann es euch auch erklären. Immer dann, wenn es draußen noch dunkel war und ein Auto an unserem Haus vorbeifuhr, wanderte ein Lichtstrahl durch das Wohnzimmer und den habe ich dann gejagt. Um ehrlich zu sein, ich habe nie einen erwischt, sondern mir stattdessen immer die Nase an dieser blöden Wand angestoßen.

Einen Vorteil hatte die ganze Sache aber doch. Wenn ich an der Wand hochgesprungen bin, habe ich beim runterkommen immer meine Krallen in die Tapete gehauen. Das hättet ihr sehen müssen, dabei sind wahre Kunstwerke herausgekommen. Allein in den Herbst- und Wintermonaten, habe ich so ganz alleine fast die komplette Wohnung renoviert. Herrchen hat allerdings mit mir geschimpft, wenn er abends meine neuesten Werke entdeckt hatte. Typisch, da verschönert man die Wohnung und muss sich dann noch dafür anmotzen lassen. Der Typ hatte keine Ahnung, wie viel Arbeit ich damit hatte, wie viel Mühe ich mir gegeben habe und was so eine Unikat Strukturtapete überhaupt kostet.

Im Herbst 2013, ich war jetzt ungefähr 4 Jahre bei ihnen, hörte ich wie Herrchen am Telefon sagte: „ja, wir wollen ihn jetzt schnellstmöglich in gute Hände abgeben“. Au weia, jetzt tat mir der Junior aber doch ein bisschen leid, oder wen meinte er mit „ihn“?

Die Antwort bekam ich schon ein paar Tage später, aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch demnächst erzählen werde.

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