Das Ende einer Kurzzeitfamilie

Gleich nach dem Telefonat mit M. machte ich mich auf den Weg zu X*. Ich sah kurz nach Junior, der bereits friedlich in seinem Bett schlummerte und ging dann ins Bad. Natürlich dachte ich noch über das Gespräch mit M. nach und hatte deutlich gespürt, dass da auf beiden Seiten noch Gefühle vorhanden waren, ich wollte jetzt aber auch nicht mehr von meinem eingeschlagenen Weg abweichen und die Zukunft mit X* und unserem Sohn verbringen.[Weiterlesen]

Wir waren seit über 10 Monaten getrennt, hatten keinerlei persönlichen Kontakt in der Zeit und wussten dementsprechend auch nicht, wo, wie und mit wem der andere die Zwischenzeit verbracht hatte. Außerdem hatte M. mir ja deutlich zu verstehen gegeben, dass es für mich/uns jetzt kein zurück mehr gibt.

Als ich ins Schlafzimmer kam, lag X* auf dem Bett, zappte sich durch die Programme, die wie immer in der Neujahrsnacht Musiksendungen von Anno dazumals ausstrahlten. und rauchte eine Zigarette. Ich legte mich neben sie, zündete mir auch eine an und wartete darauf, dass sie etwas sagte.

„War das M.?“, fragte sie nach einer kleinen Weile.

„Ja, aber keine Sorge, es ist alles ok, sie hat mir nur ein frohes, neues Jahr gewünscht“, antwortete ich zumindest einigermaßen wahrheitsgemäß. Von ihrem letzten Satz erzählte ich ihr erstmal nichts, weil ich nicht unnötig die Pferde scheu machen wollte und auch keine große Lust auf eine nächtliche Diskussion hatte.

Die nächsten Tage war der Silvesterabend auch kein Thema mehr zwischen uns.

Gleich zu Beginn des Jahres war eine Tagung in Frankfurt angesetzt worden, bei der uns der neue Vertriebsleiter vorgestellt werden sollte. Ich entschied mich die Fahrt dahin mit Xs* Z3 zu machen. Das Wetter war gut, kein Schnee in Sicht und das Auto war wahrscheinlich auch froh, dass es mal wieder bewegt wurde. Warum X den Wagen überhaupt angeschafft hat, habe ich nie erfahren. Sie ist auch so gut wie nie damit gefahren. Es war wohl mehr ein Prestigeobjekt, vielleicht um unserem Sohn zu imponieren.

Die Tagung verlief völlig normal. Der „neue“ Vertriebsleiter war ein alter Bekannter. Jochen war in meiner Anfangszeit mein Kollege, der den Bereich Baden Würtemberg betreute. Er wechselte später, zusammen mit Niels J. und noch einem anderen Kollegen, zu S. in den Spielebereich. Die Konsolen waren zwar bei weitem noch nicht so ausgereift, wie sie es heute sind, aber S. war in der Zeit der Hauptkonkurrent von N. und die Videotheken hatten inzwischen, nach langem, zähen ringen auch die Freigabe für den Verleih von Konsolen und Spielen bekommen.

Gegen Ende der Tagung blinkte plötzlich mein privates Handy im Minutentakt. Zum Glück hatte ich es auf lautlos gestellt. Malisa, unsere Chefin, mochte es nämlich überhaupt nicht, wenn irgendwelche wichtigen Präsentationen, Vorträge oder Diskussionen vom Klingeln eines Handys unterbrochen wurden, erst recht nicht, wenn es sich um ein privates Mobilphone handelte.

Ich gab mich natürlich höchst konzentriert und hob das Handy nur leicht an, um zu sehen, wer mir da eine SMS nach der anderen schickt. Bei den ersten 2, 3 Nachrichten war ich noch entspannt und dachte, dass mir X* nur mitteilen möchte, dass sie sich auf meine Rückkehr freut, oder was es zu essen gibt, oder halt sonst irgendetwas alltägliches. Als sich die SMS jedoch dem zweistelligen Bereich näherten, wurde ich etwas unruhig. Vielleicht war ja was mit Junior, oder sonst was passiert. Dementsprechend froh war ich, als Malisa eine Zigarettenpause ankündigte. Manchmal hat halt sogar das Rauchen ein paar Vorteile.

Als die erste SMS sich geöffnet hatte, traute ich meinen Augen nicht. Du hast mich belogen, du hast mich betrogen, verschwinde aus meinem Leben, hol deine Sachen ab, lass mich für alle Zeit in Ruhe, waren noch die harmloseren Worte, die ich zu lesen bekam. Ich konnte mir absolut keinen Reim darauf machen. Das konnte sich einfach nur um ein riesengroßes Mißverständnis handeln, das ich so schnell wie möglich aufklären wollte. Ich antwortet nur kurz mit „was ist passiert“ und „wir reden, wenn ich zu Hause bin“ und ging wieder in den Tagungsraum.

Zum Glück waren wir mit unserem Tagungsprogramm ziemlich gut durchgekommen und konnten dadurch einigermaßen pünktlich Feierabend machen. Das war eigentlich ziemlich unüblich, Es gab Meetings, die um mehrere Stunden überzogen wurden. Dagegen waren Hans-Joachim Kulenkampff bei seinem „Einer wird gewinnen“, oder Thomas Gottschalk bei „Wetten dass…“ die reinsten Pünktlichkeitsfanatiker und nicht selten mussten die Assistentinnen der Vertriebsleiter versuchen uns in spätere Maschinen für den Heimflug zu buchen.

Jochen lud seine alte und gleichzeitig neue Außendiensttruppe zwar noch zu einem gemeinsamen Abendessen ein, aber so lange wollte ich dann doch nicht mehr mit meiner Heimfahrt warten. Mit den Worten „sorry, aber bei mir brennts“, verabschiedete ich mich von ihm, Malisa und meinen Kollegen und spurtete zur Tiefgarage, in der Xs* Z3 brav auf mich gewartet hatte. Zu der Zeit gab es noch kein flächendeckendes Netz in Deutschland und der Empfang war ab und zu ziemlich miserabel bzw. um es genau zu sagen, einfach nicht vorhanden. Erst als ich mich der Autobahn Richtung Frankfurter Flughafen näherte, sah ich die 3 schwarzen Balken auf meinem Handy, die mir besten Empfang bescheinigten und wählte auch sogleich Xs*Telefonnummer. Mein Sohn kam an den Apparat und gleich nachdem er mich begrüßt hatte, sprudelte es schon aus ihm heraus.

„Ich weiß Bescheid, du musst ausziehen, die Mama hat schon all deine Sachen in den Flur gestellt. Sie ist seit Stunden im Schlafzimmer und kommt nicht mehr da raus“.

„Alles klar, ich bin unterwegs“, dann reden wir. Weitere Details wollte ich ihm und mir erstmal ersparen, es hätte eh nichts gebracht, weil ich mir nach wie vor keiner Schuld bewusst war.

Die Fahrt verging wie im Flug und so könnte man auch meinen Fahrstil auf der Rückfahrt treffend beschreiben. Geschwindigkeitsbeschränkungen interessierten mich genauso wenig wie Überholverbote. Ich wollte nur noch nach Hause bzw. an den Ort, der bis zu meiner Abfahrt noch mein Zuhause war und es in Zukunft eigentlich sein sollte.

Als ich die Tür aufschloss, stolperte ich über die ersten Plastiktüten und Kartons, die X* dort platziert hatte. Sie hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Selbst mein PC stand schon abgeklemmt und abgebaut im Flur, ebenso meine DVD Sammlung, incl. Player, meine Aktenordner, Klamotten – einfach alles. Es sah aus, wie in einer RTLII Sendung, in der man eine Messi Wohnung entrümpelt und wieder wohnbar macht. Zum Glück ging die Tagung nur einen Tag, sonst hätte ich meine Sachen wahrscheinlich aus einem von  X* eigens bestellten Container rausholen müssen. Wahrscheinlich hätte Vera feixend daneben gestanden und diese skurrile Aktion auf ihre putzige Art kommentiert: „Der machtlose Manni versucht verzweifelt sein Hab und Gut vor der Schrottpresse zu retten, während die diabolische X* sich bereits ihre nächste Gemeinheit ausdenkt“.

Ich sah kurz nach meinem Sohn, der aber mit seiner Playstation beschäftigt war und auch gar keine Lust zu haben schien, mit mir über die Ereignisse des Tages zu reden. Als nächstes klopfte ich an Xs* Schlafzimmertür, wartete ein mürrisches „herein“ gar nicht erst ab, sondern steckte gleich meinen Kopf durch den Türrahmen.

X* lag auf ihrem Bett, starrte gelangweilt auf den Fernseher und sagte kein Wort.

„Guten Abend“, sagte ich ganz vorsichtig, „können wir bitte vernünftig miteinander reden? Ich wüsste nämlich gerne, was passiert ist“.

„Komm rein“ war ihre kurze, knappe Antwort.

Ich legte mich neben sie auf das Bett, zündete mir eine Zigarette an und wartete auf irgendeine Erklärung von ihr. Noch immer erschien mir das Ganze so unwirklich, für mich völlig überraschend und nach wie vor unerklärlich.

„Ich habe etwas gemacht, was ich nicht gedurft und was ich besser auch nicht getan hätte – ich habe in Deinem PC geschnüffelt“.

Ich begriff immer noch nichts. Hatte ich die letzten Pornovideos nicht vollständig gelöscht, einen Chatverlauf aus grauer Vorzeit gespeichert, oder eine Amazon Rechnung nicht bezahlt? Sie muss die Fragezeichen in meinen Augen wohl gesehen haben, holte tief Luft und legte dann richtig los.

„Da läuft noch was mit M. und mit K. sowieso. Du hast mich die ganze Zeit nach Strich und Faden belogen, betrogen und verarscht. Ich will das du verschwindest, wir werden eine feste Besuchsregelung für Junior festlegen, an die  du dich gefälligst zu halten hast, es wird nie wieder ein „wir“ geben, ich will dich nie wieder sehen“. Eigentlich hätte sie mir nur die SMS vom nachmittag nochmal vorlesen müssen, da stand das Gleiche drin, bis auf den Satz mit M. und K.

So langsam dämmerte es mir und die Schuppen fielen mir nicht nur aus den Haaren, sondern auch aus den Augen. Sie hatte die Mails zwischen M. und mir gelesen und, wie es für sie üblich ist, auch eigenständig interpretiert.

Ich versuchte noch ihr die Dinge aus meiner Sicht zu erklären, wusste aber da schon, dass es vergeblich sein wird und so war es dann leider auch. Die Nacht habe ich zwar noch in ihrem Bett schlafen dürfen und kurz kuschelte sie sich sogar an mich, ohne dass dabei mehr passierte, aber am nächsten Morgen musste ich trotzdem gehen. Ich ließ mir Zeit, meine Sachen nach Zollstock zurückzubringen, war nach wie vor jeden Abend in Dünnwald, wenn auch nicht mehr über Nacht, weil ich immer noch die Hoffnung hatte, dass sich das wieder einrenken würde. Spätestens, wenn X* merken würde, dass ich wirklich keinen Kontakt mehr zu M. habe und von meinem Sohn hören würde, dass da auch nichts mehr mit K. läuft, die längst mit ihrem späteren Mann zusammen war, müsste doch ein Umdenken bei X* stattfinden.

Die Hoffnung zerschlug sich leider sehr schnell, nicht zuletzt weil X* eine Frau ist, die keine eigenen Fehler eingestehen und sich auch nicht dafür entschuldigen kann. Das war schon immer so.

Je mehr Sachen ich in meine Wohnung zurück transportierte, um so weiter entfernte ich mich von X* und das sicher nicht nur räumlich, auch wenn ich wirklich nicht sagen kann, dass mir die Trennung nicht weh getan hätte.

Am meisten ärgerte ich mich über mich selbst. Ich hatte mich für X* und gegen M. und K. entschieden, meine Burg in Zollstock aufgeben wollen, die mich bis dahin vor dem von vorne herein zum scheitern verurteilten zusammenziehen mit diversen Freundinnen bewahrt hatte und, das muss ich zugeben, auch immer eine gerne genutzte Ausrede für mich war, um mir ab und zu meinen Freiraum sichern zu können. Der Name „Burg“ ist in der Zeit der Panikattacken entstanden, weil ich mich erst wieder einigermaßen sicher fühlte, wenn ich zu Hause war. Dazu aber demnächst an anderer Stelle mehr.

In meiner Enttäuschung und irgendwo auch Wut auf und über X*, bat ich meine Schwester um Hilfe, um wieder mit M. in Kontakt zu kommen. Ob das eine Trotzreaktion war, ob ich X* eins auswischen, vielleicht sogar weh tun wollte, kann ich im nachhinein nicht genau sagen, es wurde auch sehr schnell unerheblich, weil meine Schwester mir ihre Hilfe verweigerte. Ihre einzige Reaktion bestand aus einem „ich habe meine Gründe“. Genaueres habe ich bis zum heutigen Tag nicht erfahren. Die nächsten Jahre habe ich deshalb auch jeden Kontakt zu meiner Schwester so gut es ging vermieden, egal ob Weihnachten, Familien Geburtstage, etc., was besonders meinen Eltern sehr, sehr weh getan hat. Erst I., die ich 2006 kennenlernte, schaffte es, dass wir uns zumindest wieder an einen Tisch gesetzt haben.

Man sagt zwar, die Zeit heilt alle Wunden, aber diesen Spruch halte ich für ausgemachten Schwachsinn. Irgendwann habe ich meiner Schwester zwar verzeihen können, vergessen werde ich ihr das aber nie.

Mit dem Satz „Blut ist dicker als Wasser“., kann ich mich dagegen viel mehr identifizieren. Meine Familie, zu der ich natürlich auch meinen Sohn und zu der Zeit auch X* zählte, war und ist mir bis heute heilig und da habe ich auch nie gefragt warum ich helfen soll, sondern immer nur wie. Ich kann mich noch sehr gut an eine Situation erinnern, in der meine Schwester Stress mit ihrem Verlobten hatte und für ein paar Tage „untertauchen“ wollte. Es war mir egal, wer an dem Streit Schuld hatte und es hat mich auch nicht interessiert, was genau vorgefallen ist – ich habe sie selbstverständlich bei mir aufgenommen. DAS verstehe ich unter Familien Zusammenhalt.

Innerhalb von wenigen Wochen hatte ich also die drei wichtigsten Frauen in meinem Leben verloren. X*, M. und meine Schwester. Seit dem habe ich keine einzige Nacht mehr durchgeschlafen, weder vom Tag ausgepowert, noch durch Grippe geschwächt, nicht mal angetrunken, oder mit medikamentöser Unterstützung und es ist auch egal, ob ich um 19 Uhr die Augen zumache, oder um 3 Uhr morgens. Maximal 90 Minuten sind mir am Stück vergönnt und selbst die sind noch unruhig und voller Albträume. Wenn es einen Auslöser für meine heutige Verfassung gibt, dann ist es der Jahresstart 2002. Einzig die Reaktion von M. konnte ich nachvollziehen, wogegen ich das Verhalten von X*, aber auch das meiner Schwester bis heute weder verarbeitet, noch jemals verstanden habe.

Meinem Sohn schien die Trennung nicht viel auszumachen. Im Gegenteil, er war wahrscheinlich sogar froh, dass er jetzt wieder mit seiner Mutter alleine leben und mit mir die Wochenenden verbringen konnte.

Von Februar 2002 bis Juli 2013 gab es fortan kaum ein Wochenende, an dem mein Sohn nicht bei mir war. Freitags holte ich ihn von der Schule oder zu Hause ab und brachte ihn am Sonntag, wenn er vom Mittagessen bei meinen Eltern kam, wieder nach Hause. Die Zeit nach seiner Geburt, als X* mir den ersten Kontakt zu meinem Sohn erlaubte, wiederholte sich jetzt, nur mit noch viel intensiverem und engerem Kontakt.

Am gemeinsamen Sorgerecht, das mir X* im Sommer 2001 zugestanden hatte, lag es definitiv nicht. Sowas ist eh mehr pro forma, denn sollte es wirklich mal zu einem Streit über die Zukunft des gemeinsamen Kindes gehen, entscheidet ein Gericht und welcher Vater zieht sein Kind schon gerne vor Gericht? Überhaupt bin ich in all den Jahren NIE gefragt worden, wenn es um die Belange von Y* ging. Kindergarten, Grundschule, Gesamtschule, Abitur, Führerschein, Ausbildung, das hat alles X* entschieden. Mein Sohn hat sich allerdings auch nie über eine ihrer Entscheidungen bei mir geklagt, deshalb habe ich sie auch immer so akzeptiert.

Wir nannten uns selbst das „Powerteam“ eine Ableitung der Lieblingsserie meines Sohnes „Power Rangers“ und ließen es uns richtig gut gehen. Wir hatten Jahreskarten vom Phantasialand in Brühl und vom Warner Brothers Movie World in Bottrop, fuhren zum Eishockey in die Köln Arena und ich besorgte uns dann auch Dauerkarten auf der Haupttribüne beim FC. Junior war längst Mitglied in unserem FanClub geworden, nahm an diversen Tippspielen im Internet teil und fuhr auch immer regelmäßiger mit zu den Auswärtsspielen. Zu Hause sahen wir uns seine Lieblingsserien und Filme an, oder wenn der FC nicht spielte, die Bundesliga auf Premiere. Mit der Zeit gewöhnte er sich an und ging am frühen Sonntag morgen zu meinen Eltern rüber, die nur 4 Haustüren weiter wohnten. Erst hat er mit ihnen gefrühstückt und dann wurde bis zum Mittagessen “gezockt”. Mit “Mensch ärgere Dich nicht”, “Skip-Bo”, “Rommé” besserte mein Junior so oft noch ein bisschen sein Taschengeld auf, dass er von meinen Eltern bekam. Ich denke, ich muss an dieser Stelle nicht extra erwähnen, dass meine Eltern ihm nie auch nur einen Cent abgenommen haben, selbst wenn er, was selten genug vorkam, mal ein Spiel verloren hatte.

Eines unserer Highlights war sicher das Spiel um Platz 3 der Fussball WM 2006, dem sogenannten Sommermärchen, die ich zugelost bekommen hatte.  Da wussten wir natürlich noch nicht, dass Deutschland daran beteiligt sein würde. Das Spiel fand am 8. Juli 2006 im Stuttgarter Gottlieb Daimler Stadion statt und war wirklich ein unvergessliches Erlebnis. Deutschland gewann 3:1 gegen Portugal und wurde noch lange nach dem Spiel von der begeisterten Menge gefeiert. Da waren wir aber leider schon wieder auf dem Weg ins Hotel. Ich hatte immer wieder mit Panikattacken zu tun und wäre es nicht so ein tolles Erlebnis für meinen Sohn und so ein besonderes Spiel gewesen, hätte ich auf die Fahrt ins Ländle gerne verzichtet. Mein Sohn muss das geahnt haben, denn als wir auf dem Weg zum Stadion an zig Leuten vorbei kamen, die verzweifelt noch nach einem Ticket für dieses Spiel suchten und sicher auch sehr viel Geld dafür bezahlt hätten, sah er mich an und meinte mit der trockensten Miene:

„denk nicht mal darüber nach“.

Ich habe das dann natürlich auch gleich eingesehen und wirklich nicht mal mehr darüber nachgedacht.

Neben dem Fussball interessierte sich mein Sohn auch noch für Eishockey, Wrestling und die Formel 1, also besorgte ich auch für diese Veranstaltungen Tickets. Wir waren öfter bei Spielen der Kölner Haie in der Lanxess Arena, immer auf den besten Plätzen auf der Haupttribüne und ich ging mit ihm zu einem Wrestling Event, das ebenfalls in dieser wunderschönen Multifunktions Arena stattfand. Bis zu diesem Abend ging Y* übrigens noch davon aus, dass die sich wirklich aufs Maul hauen und auf den Schädel springen. Ich hatte ihm zwar immer gesagt, dass es sich um eine reine Showveranstaltung handelt, aber erst als er die gerade noch „schwerverletzt“ aus dem Ring getragenen Akteure munter von der Trage hüpfen sah, glaubte er mir und strich von da an Wrestling von der Liste seiner Hobbys.

Im Juli 2007 fuhren wir dann schließlich auch noch zum Formel 1 WM Grand Prix auf den Nürburgring. Über Ebay hatte ich Tickets für die Mercedes Tibüne bekommen, die am Ende der langen Start- und Zielgeraden liegt und von der man einen ausgezeichneten Blick auf diesen wunderschönen, altehrwürdigen Eifelkurs hat. Pünktlich zum Start setzte ein wolkenbruchartiger Regen ein, der ein reguläres Rennen erstmal unmöglich machte. Die nicht überdachte Mercedes Tribüne wurde schlagartig leer und bis auf ein paar Unentwegte, zu denen auch mein Sohn gehörte, suchten sich alle ein wenigstens halbwegs trockenes Plätzchen außerhalb der Rennstrecke. Junior blieb völlig ungerührt auf seinem Platz sitzen und schaute fasziniert zu, wie ein Bolide nach dem anderen von der Strecke rutschte und im Kiesbett stecken blieb.

Das als Chaos Rennen in die Geschichte eingehende Rennen gewann schließlich Kimi Räikkönen im Ferrari vor Fernando Alonso im McLaren-Mercedes und Felipe Massa im 2. Ferrari. Das Ergebnis trübte aber nur wenig die Freude von meinem Sohn. Angefangen mit Mika Häkkinen, über David Coulthard, Kimi Räikönen, bis hin zu Nico Rosberg und Lewis Hamilton drückte er den Nachkommen der Silberpfeile die Daumen, während ich Michael Schumacher unterstützte, der 2006 seine Rennkarriere beendet hatte. Mir war es dabei auch egal, ob er im Benetton saß, oder später im Ferrari, während mein Junior eher der Marke treu blieb, als den Fahrern.

Schneller als jeder Formel 1 Bolide jemals über eine Rennstrecke gefahren ist, vergingen dann leider die nächsten Jahre und es kam, wie es kommen musste bzw. wie ich es ihm schon ein paar mal in unseren Gesprächen angekündigt hatte.

Vom 05. Bis 07. Juli 2013 verbrachten wir unser letztes gemeinsamen Wochenende.

Ich war zwar darauf vorbereitet, wusste, dass dieser Tag kommen wird, mit so einem abrupten und leider auch endgültigen Ende habe ich aber nicht gerechnet.

Es war eine traumhaft schöne Zeit, die mich zwar sehr viel Energie und noch mehr Geld gekostet hatte, aber von der ich keine Sekunde missen möchte und für die ich meinem Sohn sehr dankbar bin.

Leider haben wir heute so gut wie gar keinen Kontakt mehr, weil mein Sohn meine Geschichten nicht mag und auch nicht namentlich darin erwähnt werden möchte. Deshalb steht auch in dieser Geschichte ein X für seine Mutter und ein Y für meinen Sohn. Er lebt jetzt mit seiner Mutter in einem Mehrfamilienhaus, dass sie vor kurzem gekauft hat und in dem er sich seine erste eigene Wohnung über 2 Etagen eingerichtet hat.

Es gäbe sicher noch sehr viele Geschichten über ihn und seine Mutter zu erzählen, aber ich will nicht noch mehr Streit provozieren. Viel mehr hoffe ich darauf, dass er eines Tages mal kurz über alles nachdenkt, weil er dann eigentlich feststellen müsste, dass ich immer nur die Wahrheit geschrieben habe und die ist nun mal nicht immer angenehm.

Ich habe sicher auch ein paar Dinge falsch gemacht, in einigen Situationen falsch reagiert und nicht immer den richtigen Ton getroffen. Trotzdem hoffe ich, dass ich meinem Sohn ein paar wichtige Dinge auf seinen Lebensweg mitgeben konnte.

Streit kommt in den besten Familien vor und auch ich habe mich mehr als einmal mit meinen Eltern gestritten. Meine Ma und mein Daddy nerven mich heute noch ab und zu, wenn sie es mal wieder mit ihrer Fürsorge übertreiben, aber ich weiß, dass diese Fürsorge von Herzen kommt und keinesfalls böse gemeint war bzw. ist.

Wichtig ist, dass man NIE den Respekt vor ihnen verliert, denn für jeden von uns kommt der Tag, an dem wir froh wären, wir könnten nochmal ihren Rat und ihre Hilfe einholen.

16 Kommentare zu “Das Ende einer Kurzzeitfamilie

  1. Mein lieber Manni, Hero aus alten gemeinsamen Tagen,
    mir fehlen die Worte, um zu beschreiben wie sehr mir das ans Herz geht. Das Erlebte und wie Du es beschreiben kannst, TRAURIG das Eine UND KLASSE das Andere.

    • Manni Schmitz

      Ich danke Dir, mein lieber Freund, ich freue mich, dass meine Geschichten bei einem Vielleser wie Dir so gut ankommen.

    • Manni Schmitz

      Danke schön, lieber Harry, wie sagt der Franzose tel a viv, so ist das Leben 😉 Leider ist es kein Wunschkonzert, sonst hätte meines sicher so manch andere Melodie gespielt. Liebe Grüße

  2. Grundsätzlich: andere Namen fände ich deutlich besser als diese Buchstaben. Liest sich nicht angenehm.
    Ansonsten: ein Manni-Text wie gewohnt. Klasse!

    • Manni Schmitz

      Vielen Dank für den Tipp, liebe Renate, ich werde das bei nächster Gelegenheit gerne umsetzen. Die Geschichte war nicht einfach diesmal und hat so manche unliebsame Erinnerung geweckt, aber die gehören leider zu (m)einem Leben dazu. Liebe Grüße an den schönen Ammersee.

    • Manni Schmitz

      Liebe Renate, ich werde irgendwann nochmal eine Abschlusskorrektur machen und das dann auch berichtigen. Liebe Grüße aus Köln

  3. Anita Lahn

    Manni, Ich finde es einfach klasse, dass du uns an Deinem Leben teilhaben lässt. Lese Deine Geschichten immer gerne und denke dass Dein Sohn es heute oder morgen selber feststellt: Familie fragt nicht nach Fehler, Familie ist Familie 🙂

    • Manni Schmitz

      Danke schön, liebe Anita. Ich denke nicht, dass mein Sohn das feststellen wird, aber darüber reden wir mal persönlich.

  4. Schwester

    Wann hörst Du endlich auf MICH für das Ende Deiner Beziehung mit M. verantwortlich zu machen? Ich habe mir jahrelang Euer beider Gejammer in dieser ON/OFF-Beziehung angehört und vermittelt, mit der Konsequenz, dass ICH die Doofe war… Vielen Dank auch! Das sind für mich Gründe genug! IHR BEIDE wart für das Scheitern verantwortlich und niemand anders. Es lag weder in meiner Macht, sie zu Dir zurück zu holen, noch war das meine Aufgabe!
    Dein (schein)heiliges Engelchen hatte leider nie den A…. in der Hose mit Dir Klartext zu reden. Dadurch hat sie unser tolles Verhältnis zerstört, dass werde ICH ihr nie verzeihen.
    Es gibt übrigens lebende Zeitzeugen dafür, einer wohnt direkt neben Mamm+Papp.
    Schade, dass Du nicht bereit bist darüber zu reden, um das Thema ein für allemal zu begraben. Es sind 16 Jahre vergangen. Findest Du nicht, Du hast uns beide und die ganze Familie genug bestraft damit? Vielleicht könnten wir beide besser schlafen, wenn wir das mal ausräumen würden!

    Bei Deinem Sinn für Wahrheit dürfen Deine Fans durchaus auch mal meine Meinung lesen…

    Aber sicher berichtest Du an anderer Stelle noch, wie oft ich Dir aus der Sch…. geholfen habe.

    Du weißt, wie Du mich erreichen kannst.

    Deine wütende, enttäuschte und traurige Schwester

  5. Schwester

    Was den Kontakt zu Deinem Sohn (der übrigens sehr gut gelungen ist!!) angeht, gehören auch da – wie immer im Leben – 2 dazu.
    Einer, der es macht und einer, der es mitmacht oder in Eurem Fall einer, der nicht mitmacht?
    Oft genug ruft er Dich an und Du gehst nicht ans Telefon oder rufst nicht zurück. Was denkst Du, wie lange er das noch macht?
    Ihr beide leidet darunter und nur Ihr beide könnt das ändern. Auch da wäre sprechen vielleicht mal hilfreich…

  6. Dein Sohn

    Ich kann da Deiner Schwester (meiner Tante) nur zustimmen. Ich fände mal die komplette Wahrheit viel interessanter. Gerade das Thema was unseren Kontakt angeht. Wenn wir überhaupt noch Kontakt haben, dann ist es nur dann, wenn ich mich bei Dir melde. Du meldest Dich von Dir aus kein einziges Mal.

    Und warum haben sich denn die Zeiten geändert? Ich gehe jeden Tag arbeiten und das oftmals sehr lange, denn ich möchte meinen erfolgreichen Weg gerne fortsetzen. Dass ich die wenige Zeit, die ich dann zur Verfügung habe, mit meinen Freunden oder meinen Großeltern verbringe, ist dann wohl normal. Wenn ich nicht mit Mama zusammenarbeiten würde, dann wäre der Kontakt zu Ihr genauso.

    Aber, wie meine Tante es beschrieben hat, ich habe es oft genug versucht, unter anderem auch Oma zu liebe, weil sie sagt, du könntest doch nochmal Papa anrufen. Dann sag ich ihr immer, das habe ich, nur Du gehst nie dran oder rufst nicht zurück und sie ist wieder traurig.

    PS: diese ganzen Geschichten werden für mich immer sinnfrei bleiben und gehören nicht ins Internet!!!! Das wird sich niemals ändern.

    • Manni Schmitz

      Hallo Schwester und “mein Sohn” (keine Angst, ich werde eure Namen nicht nennen)

      vielen Dank für eure Kommentare und Meinungen, die ich respektiere, auch wenn ich sie anders sehe.

      Ich stehe zu jedem einzelnen Wort, das ich geschrieben habe und bitte euch das ebenfalls zu respektieren, denn, wie meine Schwester so wahr und treffend schreibt, hat jede Geschichte 2 Seiten und die sind halt nicht immer deckungsgleich.

      Ob meine Geschichten sinnfrei sind, ins Internet gehören, oder “meine Fans” mir glauben, steht auf einem anderen Blatt. Ich bin stolz auf das Blog, weil ich damit meine Vergangenheit aufarbeiten kann, eine willkommene Ablenkung habe und zumindest ein paar Menschen eine Freude mit meinen Erinnerungen machen kann. Schade, dass ihr anscheinend nicht (mehr) dazu gehört.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Dein Bruder und Papa, Manni (Brummbär)

  7. Hallo Manni🙋🏼
    So sind sie,
    die Geschichten des Lebens,
    ob traurig oder lustig.
    Ich danke dir immer wieder,
    das du uns an deinem Leben teilhaben lässt.
    Ich freue mich auf die nächste Geschichte.
    Liebe Grüße Karin😘

    • Manni Schmitz

      Danke schön, liebe Karin. Ich habe mir schon lange abgewöhnt, es allen rechtmachen zu wollen und was ich wann und wie schreibe, entscheide ich ganz alleine. Es wird niemand gezwungen meine Geschichten zu lesen. Liebe Grüße und Bussi an die Leine :-*

  8. Die Gutmenschin 😉

    Das Ende der Kurzzeitfamilie, die belastete Beziehung zu Deiner Schwester und der abgebrochene Kontakt zu Junior – so viele Dinge, die sich vielleicht mit Vertrauen und ehrlichen Gesprächen (hätten) klären lassen. Wie Du weißt, macht mich so etwas echt traurig. Dass X. damals das Vertrauen (zumindest, was mich angeht, weiß ich ja genau, absolut zu Unrecht!) nicht hatte, ist schade, aber nicht mehr zu ändern.

    Aber vielleicht schaffst Du es, die ungeklärten Dinge mit Deiner Schwester und mit Junior aus dem Weg zu räumen.

    Ich würde mich sehr für Euch alle freuen.

    Liebe Grüße,
    K.

    • Manni Schmitz

      Vielen Dank, liebe “Gutmenschin”. Stimmt, es gibt Dinge, die sind nicht mehr zu ändern und ich kann nicht mehr tun, als die Wahrheit zu sagen und zu hoffen, dass man mir glaubt bzw. vertraut. Ich mache mich nicht (mehr) verrückt, Du weißt ja, et kütt, wie et kütt 😉 Herzliche Grüße an Dich und Deine Lieben, der “Wutbürger” 😉

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