Eine Kurzzeitfamilie

X* (Name geändert) und ich hatten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und ließen uns diesmal Zeit. Mal verbrachte ich ein paar Tage in Zollstock in meiner Wohnung, mal war ich dann wieder bei den beiden in Dünnwald. Mein Leben war in dieser Zeit geordnet, es gab keine Baustellen, die ich zu beseitigen hatte und ich war ausgelastet, ohne überlastet zu sein.

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Tagsüber besuchte ich meine Kunden, abends kümmerte ich mich um meine privaten Angelegenheiten, chattete mit Diana bei Volano, in dem sie inzwischen ein gern gesehener Gast war, oder widmete mich meiner wieder erwachten Leidenschaft für den 1.FC Köln.

Es passte und nach und nach verlängerte ich meine Aufenthalte in Dünnwald. Anfangs gefiel das meinem Sohn noch, aber nach und nach stellte er fest, dass er jetzt nicht mehr der alleinige Herr im Haus war. War er es bis dahin noch gewöhnt, dass X* (Name geändert) nach seiner Pfeife tanzte und er alleine bestimmte, wann er weg ging, wann er nach Hause kam, wann er ins Bett ging und wer ihn wann besuchen kommt, war da plötzlich jemand, der da ein Wörtchen mitreden wollte und das, erst zurückhaltend beobachtend, dann aber immer entschiedener, auch tat. Mein Sohn war zu diesem Zeitpunkt gerade mal neun Jahre alt. Ab und zu versuchte ich ihm beizukommen, in dem ich ihm erzählte, wie seine Oma mich erzogen hatte, aber das interessierte ihn herzlich wenig, hatte er doch bei meinen Eltern bis dahin die gleiche Narrenfreiheit genossen, wie bei seiner Mutter. Genau genommen war ich der einzige in seinem Umfeld, der es wagte, ihm zu widersprechen.

Mir gefiel meine neue Rolle und ich dachte ernsthaft darüber nach meine Zollstocker Wohnung aufzugeben und ganz nach Dünnwald zu X* (Name geändert) und Y* (Name geändert) zu ziehen.

X* (Name geändert) arbeitete zu der Zeit in der kleinen Firma ihres Ex Freund, keine 50m von ihrer Wohnung entfernt. Die genauen Zusammenhänge und Hintergründe habe ich nie erfahren, jedenfalls übernahm X* (Name geändert) irgendwann die Firma und benötigte für die Übergangsphase bzw. um sie überhaupt retten zu können ca. 30.000 DM. Ich nahm einen Kredit auf, besser gesagt, ließ ich mir einen Kredit zu wahnwitzigen Bedingungen vom Sachbearbeiter des Kreditinstitut meines Vertrauens, aufschwatzen und lieh X* (Name geändert) das Geld. Für mich war diese Hilfe selbstverständlich. Schließlich war es „meine“ Familie, für die ich mich verantwortlich fühlte.

Um es vorwegzunehmen, X* (Name geändert) hat mir jeden Cent der Summe zurückgezahlt, auch wenn sie die kleine Firma nicht mehr retten konnte und ihre finanziellen Probleme dadurch noch größer wurden. Irgendwie schafften wir es das durchzustehen und mich verband die ganze Aktion sogar noch mehr mit „meiner“ kleinen Familie.

In unmittelbarer Nähe von X* (Name geändert) Wohnung war eine kleine, gemütliche Kneipe, mit einer ausgezeichneten Küche. Ab und zu trafen wir uns dort mit Freunden, oder gingen mit unserem Sohn dort essen. Es gab eine Eisdiele mit fantastischem Eis, auch da ließen wir es uns gutgehen, sehr zum Leidwesen meiner schon damals immer mehr in die Breite gehenden Figur bzw. was davon noch übriggeblieben war. Ich war schon immer ein Freund guter Lebensmittel und durch den FanClub kamen auch noch etliche Kölsch dazu. Was solls, man lebt nur einmal und hauptsache „Alessio geht es gut“.

In den Sommerferien flogen wir für 3 Wochen nach Griechenland auf die Insel Rhodos, wo wir in einer Ferienanlage ein kleines Appartement gebucht hatten, in dem Junior eine große Schlafcouch hatte und wir ein kleines Schlafzimmer.

Zum ersten Mal waren wir 3 Wochen lang 24 Stunden täglich zusammen und es funktionierte. Es war für uns alle 3 ein sehr erholsamer Urlaub, den wir nach den turbulenten Wochen und Monaten auch dringend gebraucht haben.

Nach dem Urlaub machte ich mir wieder ernsthafte Gedanken darüber meine Wohnung in Zollstock zu kündigen und ganz zu X* (Name geändert) und meinem Sohn nach Dünnwald zu ziehen. Ich fühlte mich angekommen, war zufrieden mit meinem Leben und von mir aus hätte es immer so weitergehen können.

Leider sah X* (Name geändert) das mit der Zeit wohl anders. Sie wurde verschlossener und vor allen Dingen misstrauischer, selbst wenn ich mit unserem Sohn unterwegs war. Sie wusste natürlich von M. und auch von meiner Affäre mit K. aus unserem FanClub hatte ich ihr erzählt.

K. war/ist 15 Jahre jünger als ich und eigentlich überhaupt nicht mein Typ. Heute würde man sagen, Gutmenschin trifft Wutbürger, aber trotz aller Gegensätzlichkeiten, verstanden wir uns, haben oft und viel geredet und irgendwann entwickelte sich unser Kontakt in eine Richtung, mit der wir wohl beide nicht gerechnet hatten. Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich mich in sie verliebt habe, auch wenn ich mir das zu der Zeit nicht nur eingeredet, sondern auch nach außen hin kommuniziert habe. Es war auch nicht der Reiz Sex mit einer bedeutend jüngeren Frau zu haben. Vielleicht war es einfach nur das Streben nach Anerkennung. Es gab einige Kollegen im FanClub, die ein Auge auf sie geworfen hatten, aber ich hatte es „geschafft“. Es war allerdings von Anfang an abzusehen, dass es nicht lange halten würde. Wir hatten viel zu unterschiedliche Vorstellungen und Lebensmodelle. K. wollte eine Familie, mit Hochzeit, Kind(ern) und allem was dazu gehört, während ich mit diesem Thema schon lange abgeschlossen hatte.

Wir trennten uns ohne großes Theater und gegenseitige Vorwürfe. K. heiratete ein paar Jahre später ihren M., der sogar noch 2 Jahre älter als ich ist und mit ihm hat sie einen wunderbaren Sohn bekommen – also Ende gut – alles gut.

Für X* (Name geändert), war K. aber immer noch ein Dorn im Auge, obwohl sie längst mit M. zusammen war und wir, abgesehen von gelegentlichen Begegnungen bei FC Spielen, oder FanClub Veranstaltungen, keinen Kontakt mehr hatten. Mich belastete dieses Mißtrauen, zumal es wirklich komplett unberechtigt war. Für mich gab es nur noch X* (Name geändert) und Y* (Name geändert), meinen Sohn.

Im Sommer 2001 hatte X* (Name geändert) mir endlich das halbe Sorgerecht für unseren Sohn zugesprochen. Wir regelten das gemeinsam, in dem wir zum Jugendamt fuhren und das beurkunden ließen. Nach fast 10 Jahren war ich jetzt auch offiziell der Vater und nicht mehr nur der Erzeuger meines Sohnes.

Kurz vor Weihnachten bekam ich eine E-Mail von M. Ich kann nicht sagen, dass mich ihre Zeilen, so neutral und nüchtern sie auch geschrieben waren, nicht berührt haben, zumal es auch das erste Lebenszeichen seit Monaten von ihr war.  Sie wünschte mir ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr, also wirklich die üblichen Standardfloskeln, die man zum Jahresende austauscht. In meiner Antwort blieb ich ebenfalls so neutral und unverbindlich wie möglich, erwähnte aber doch, dass ich wieder mit X* (Name geändert) zusammen bin und es, abgesehen von ein paar kleinen Unstimmigkeiten, auch gut funktionieren würde.

X* (Name geändert) erzählte ich nichts von dieser Mail, auch nichts von meiner Antwort. Warum auch? Sowohl die Worte von M., als auch meine Antwort, hätten auch von jedem anderen meiner Freunde oder Bekannten kommen bzw. an sie gerichtet sein können.

Weihnachten 2001 feierten wir gemeinsam, Heilig Abend bei X* (Name geändert), in der Dünnwalder Wohnung, am 1. Weihnachtstag beim traditionellen Truthahnessen bei meinen Eltern und den 2. Weihnachtstag wieder ganz gemütlich und entspannt. Es war ein turbulentes Jahr, mit vielen Höhen und Tiefen, die wir gemeinsam bewältigt hatten und nach Party stand uns überhaupt nicht der Sinn.

Ich hatte mich entschieden ganz zu X* (Name geändert) und meinem Sohn nach Dünnwald zu ziehen und wollte gleich Anfang 2002 meine Zollstocker Wohnung kündigen. Abgesehen von ein paar Klamotten, meinen Möbeln und ein paar persönlichen und beruflichen Gegenständen hatte ich eh bereits alles nach und nach bei X* (Name geändert) untergebracht. Sie war natürlich auch in meine Gedanken eingeweiht und damit einverstanden. Es war für beide Seiten, nicht nur finanziell, die beste und praktischste Lösung.

Silvester feierten X* (Name geändert), unser Sohn, Y* (Name geändert) und ich in der kleinen Kneipe in Dünnwald, in der wir inzwischen auch ein Sparkässchen besaßen. Das darin angesparte Geld sollte für Urlaub, Junior, überraschende Neuanschaffungen, etc. verwendet werden.

Der Abend verlief zunächst ganz harmonisch und entspannt. Wir hatten rechtzeitig einen Tisch reserviert, gönnten uns ein üppiges, leckeres Abendessen und warteten dann gemeinsam auf den Start ins Jahr 2002, das Jahr, in dem in Deutschland der Euro eingeführt wurde.

Pünktlich zum Jahresstart kamen die ersten Anrufe und SMS Nachrichten auf unseren Handys an. Viel verstanden haben wir aber nicht von unseren Anrufern, aber das muss in dem Moment ja auch nicht sein. Es ist eh immer der gleiche Text und es reicht aus, wenn man ab und zu mal ein „das wünsche ich dir auch“, „ja, das ist das Wichtigste“, oder „klar sehen wir uns“ in die Gehörgänge des anderen ruft. Eine Unterscheidung, ob man seinen Gegenüber wegen des begonnenen Feuerwerks, oder dem zunehmenden Promillepegel nicht mehr versteht, ist eh kaum noch möglich, also hilft man sich mit den üblichen Floskeln und freut sich, wenn das Handy einem irgendwann „Gespräch beendet“ anzeigt.

Anders sieht es da schon bei SMS Nachrichten aus und ich könnte mir vorstellen, dass speziell für diese Anlässe die Autoausfüllfunktion, damals noch T9 genannt, erfunden wurde. Man tippt z.B. „Fro“ ein und freut sich, wenn das Handy daraufhin dann ein „Frohes neues Jahr“ vorschlägt, das man dann nur noch bestätigen muss. Leider liegt Neujahr aber auch kurz nach den Weihnachtsfeiertagen und es kann deshalb schnell passieren, dass man erneute Weihnachtsgrüße versendet, aber wer achtet in solchen Momenten schon auf solche Nebensächlichkeiten, hauptsache, man hat überhaupt an den anderen gedacht und ihm Festtagsgrüße zukommen lassen.

Das Feuerwerk über Köln ließ schon langsam etwas nach, X* (Name geändert), Y* (Name geändert) und ich hatten uns nochmal kurz auf ein letztes Kölsch und eine Apfelschorle für Junior an unseren Tisch gesetzt und wollten dann nach Hause gehen, als mein Handy erneut klingelte und eine mir unbekannte Nummer anzeigte. Durch den FanClub war meine Handynummer allgemein bekannt geworden, sie stand auch im Impressum unserer Homepage, deshalb ging ich ohne groß zu zögern dran.

Es dauerte eine kurze Weile, bis ich auf der anderen Seite eine mir vertraute Stimme sagen hörte

„Frohes neues Jahr Engelchen“.

Ich deutete X* (Name geändert) und meinem Sohn an, dass ich nochmal nach draußen gehen würde und stellte mich in einen Hauseingang, in der Hoffnung, mich so kurz, aber wenigstens in einigermaßen ruhiger Umgebung mit M. unterhalten zu können. Das Feuerwerk vor der Kneipe war vorbei und nur in einiger Entfernung hörte man noch vereinzelte Böller und konnte die letzten Raketen in den Kölner Himmel steigen sehen.

M. war deutlich angetrunken, wahrscheinlich hatte sie deshalb auch den Mut gefunden und mich angerufen, aber ich hörte auch die Tränen in ihrer Stimme. Sie erzählte von ihrer eigenen, tollen Silvester Party, dass sie sich für mich freut, dass ich mit X* (Name geändert) und Y* (Name geändert) wieder zusammen und offensichtlich glücklich bin, erwähnte dann unsere gemeinsame Zeit, wobei ihre Stimme endgültig versagte, als sie über unseren Malediven Urlaub sprach und es dauerte eine Weile, bis sie schwieg, weil sie auf eine Antwort von mir wartete.

Ich bin weiß Gott nicht auf den Mund gefallen, aber in dem Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Unsere gemeinsame Zeit lief wie ein Film vor meinen Augen ab, ein Film ohne happy End, das alleine ich verhindert hatte.

Gerade als ich zu einer Antwort ansetzen wollte, rauschten X* (Name geändert) und Y* (Name geändert) an mir vorbei.

„wir gehen schon mal rüber, du hast ja Schlüssel“

Sprachs und verschwand mit unserem Sohn in der Dunkelheit.

M. muss das wohl gehört haben und entschuldigte sich gleich, dass ich wegen ihr jetzt Ärger mit X* (Name geändert) haben würde.

„Engel, du musst mir jetzt genau zuhören, ich werde es nicht wiederholen, ich werde dich bis zu meinem letzten Atemzug lieben, aber es gibt (jetzt) kein Zurück mehr für dich“

Mit diesen Worten beendete sie das Gespräch und ich habe seit diesem Tag, dem 1. Januar 2002, nie wieder ein Wort mit ihr gesprochen oder geschrieben.

Es klingt für den einen oder anderen vielleicht komisch, aber an diesem Tag verließ mich mein Glück und es ging kontinuierlich, ohne jeden noch so kurzen Aufschwung, sowohl beruflich, als auch privat, mit mir bergab.

2 Kommentare zu “Eine Kurzzeitfamilie

  1. Hallo Manni🙋🏼

    Ich sage jetzt einfach mal nichts
    und schicke dir ganz liebe Grüße und einen dicken Knutscher.😘
    Ich freue mich das wir
    beide immer noch Kontakt haben!
    Alles Liebe für dich du liebes Menschenkind.☘️🍀💖

    • Manni Schmitz

      Hallo mein liebes Karinchen. Vielen Dank für den lieben Kommentar. Ich bin auch sehr froh über unseren, wenn auch seltenen, Kontakt 🙂 Pass auf Dich auf und ganz liebe Grüße aus Köln :-*

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