Vater sein dagegen sehr – Teil 2

Ein weiterer Knackpunkt zwischen X* (Name geändert) und mir war sicher auch mein Beruf als Außendienstler.[Weiterlesen]

Für mich ein Segen, für X* (Name geändert) und meinen Sohn vielleicht ein Fluch, weil ich nie genau sagen konnte, wann ich Feierabend habe und selbst dann die Kunden noch bei mir zu Hause anriefen. Mir hat das nichts ausgemacht, zumal ich von Bestellungen ja sogar finanziell profitierte. Wenn nötig bin ich auch Samstags noch schnell zu einem Kunden gefahren. Als kurze Zeit später die ersten Mobiltelefone auf den Markt kamen, wurde es noch schlimmer. Für meine Kunden hieß das, dass ich jetzt 7 Tage die Woche rund um die Uhr für sie erreichbar war. Natürlich gab es Kollegen, die ihr Handy am Freitagabend ab- und erst am Montagmorgen wieder anstellten und auch nicht ans Festnetztelefon gingen, aber so bin ich nie gewesen. Selbst im Urlaub habe ich Anrufe entgegen genommen oder Faxe, später dann Mails, bearbeitet und weitergeleitet.  Dafür hat mir der Job viel zu viel Spaß gemacht, ganz besonders in den 90-er Jahren.

Wenige Wochen nach der Geburt meines Sohnes, meldete sich das Kölner Jugendamt. Mir war klar, dass ich jetzt Unterhalt für ihn bezahlen muss, womit ich auch vollkommen einverstanden war. In einem weiteren Schreiben teilte mir das Amt dann aber mit, dass ich auch für X* (Name geändert) Unterhalt aufkommen muss. Das wiederum erschien mir unlogisch, hatten wir doch offiziell nicht mal eine Beziehung, geschweige denn waren wir verlobt, verheiratet oder lebten zusammen.

Das BGB sollte mich schnell eines besseren belehren.

Im §1615I heißt es da:

Unterhaltsanspruch von Mutter und Vater aus Anlass der Geburt

Der Vater hat der Mutter für die Dauer von sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes Unterhalt zu gewähren. Dies gilt auch hinsichtlich der Kosten, die infolge der Schwangerschaft oder der Entbindung außerhalb dieses Zeitraums entstehen.

Ich verdiente sehr gut und dementsprechend hoch war auch der Unterhalt für X* (Name geändert) und für meinen Sohn.

Beim Jugendamt musste ich die letzten 12 Gehaltsabrechnungen vorlegen. Bei einem Außendienstler sind die Gehälter nun mal sehr unterschiedlich, weil zum Fixum noch Provision und Prämien kommen und die vom Verkaufserfolg abhängig waren. Der nette Herr vom Jugendamt addierte meine Gehälter, rechnete den Selbstbehalt hab und aus allem, was dann noch übrig blieb, wurde der Unterhalt für X* (Name geändert) und meinen Sohn errechnet. Meine Einwände, dass ich ja z.B. hohe Mietkosten, oder teure Hobbies haben könnte, wurden mit dem Satz „sie müssen das ja nicht haben und ggf. müssen sie sich halt verkleinern bzw. preiswertere Hobbies suchen“ weggewischt. Jeder weitere Widerspruch war zwecklos. Das Gesetz schützt werdende Mütter und die Kinder und die Begleitumstände interessieren niemanden.

Im Laufe meines Lebens habe ich immer wieder Geschichten von Vätern gehört, die sich mit den fadenscheinigsten Ausreden und abenteuerlichsten Ausflüchten um den Unterhalt gedrückt haben. Die sollte man bis zum Sankt Nimmerleinstag verfolgen und ihnen jeden Cent aus der Tasche ziehen, den sie ihrer Frau und ihrem Kind schulden. Stattdessen nimmt man den anständigen und ehrlichen Erzeugern einfach mehr weg, vielleicht um das so wieder auszugleichen.

Auf der anderen Seite bin ich aber auch der Meinung, dass eine Mutter, die dem Kindesvater das Kind aus nichtigen Gründen vorenthält, überhaupt keinen Unterhalt bekommen sollte. Es gibt viele Väter, die sich um ihr Kind kümmern wollen, aber es nicht dürfen.

Ich habe übrigens ganz bewußt „Erzeuger“ geschrieben, weil ich lt. Gesetz auch nicht mehr als der Samengeber war. Wäre X* (Name geändert) damals etwas passiert, wäre das Kind in die Obhut des Jugendamt gekommen und die hätten dann den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt. Das änderte sich erst 2001, als X* (Name geändert) dem geteilten Sorgerecht zustimmte.

Leider hatte mein Sohn in den ersten Lebensmonaten die Angewohnheit ab und zu das Atmen zu „vergessen“. X* (Name geändert) hatte sich (angeblich) im Krankenhaus bescheinigen lassen, dass dies psychische Gründe hat, hervorgerufen dadurch, dass ich mich in der Schwangerschaftszeit nicht um sie gekümmert hätte. Es war eine, von vielen kleinen Gemeinheiten, mit denen sie mir das Leben erschweren wollte bzw. sollte. Dass das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft und das Einatmen von Zigarettenqualm in den ersten Lebensmonaten hauptursächlich für den plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) sind, war dagegen natürlich völliger Unfug. X* (Name geändert) durfte unseren Sohn übrigens nicht stillen, weil sie bis zuletzt geraucht hat.

Die Zeit verging und X* (Name geändert) und ich gingen, zum Wohle unseres Sohnes, irgendwann dann doch wie vernünftige, erwachsene Menschen mit der Situation um, dass aus uns keine Familie mehr werden würde. Wir einigten uns nach ein paar Monaten sogar darauf, dass ich meinen Sohn Samstags morgen abholte und ihn am nachmittag zurückbrachte. Meistens waren wir dann in Zollstock bei meinen Eltern, die sich natürlich freuten, ihren Enkel überhaupt sehen zu können. Meine Ma dankte es mir, in dem sie mir z.B. das Windeln wechseln abnahm. Das heißt, war ich mit meinem Sohn in meiner Wohnung und bemerkte einen etwas strengeren Geruch an ihm, klemmte ich ihn mir unter den Arm und lief zu meinen Eltern rüber, die nur vier Häuser weiter wohnten. Wenn ich mich überwinden konnte, sah ich der Windel Wechsel Prozedur zu, sonst flüchtete ich zu meinem Vater ins Wohnzimmer. Ich denke, es liegt in der Natur eines Mannes, zumindest in der damaligen Zeit, dass er diese „Arbeiten“ lieber deligiert, als selbst auszuführen. Heute gibt es Hausmänner, die ihren Kindern liebend gerne die Windeln wechseln und ihnen nachher beibringen ihren Namen zu tanzen, bevor sie sich an den Herd stellen, um für das Geld verdienende Frauchen ein selbst gepflücktes oder sogar angebautes, veganes Menü zu zaubern.

NEIN, ich bin weder ein Macho und auch ganz bestimmt kein Chauvi, aber der liebe Gott wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als er zwei verschiedene Menschen erschuf. Ansonsten hätte er ja gleich Tellerschnecken aus uns machen können – die befruchten sich nämlich selbst.

Jetzt habe ich gerade heftiges Kopfkino.

Fragt die Tellerschnecke auch „war ich gut?“ nach der Eigenbefruchtung?

Was sagt das Tellerschneckenbaby zu seinem Vater/ seiner Mutter? „na du Wichser“. Oh, Verzeihung, für meine Leserinnen und Leser der heutigen Generation muss es natürlich heißen „na du Masturbatorin mit Fortpflanzungshintergrund“.

Mit zunehmendem Alter meines Sohnes wurde auch die Zeit länger, die ich mit ihm verbringen durfte. Aus dem Samstag nachmittag wurde der frühe Abend und irgendwann durfte er bis Sonntag bei mir bleiben. Für mich gab es vom Tag seiner Geburt an nur noch meinen Sohn und meinen Beruf, alles andere habe ich zurückgestellt. Ich bin weder an den Wochenenden um die Häuser gezogen, noch habe ich Fussball gespielt und selbst wenn ich in dieser Zeit eine Freundin hatte, musste die zurückstehen. Es gab nur wenige Frauen, die das  auf Dauer mitgemacht haben und die eine oder andere stellte mich mit der Zeit auch vor die Wahl „Beziehung oder Kind“. Es waren dann jedes Mal die berühmten letzten Worte, die ich von den Mädels gehört habe.

Ich habe auch keine Frau meinem Sohn vorgestellt und bei zufälligen Treffen darauf geachtet, dass mein Sohn nichts von unserer Beziehung mitbekommt. Nicht, dass es mir peinlich war, ganz bestimmt nicht, sondern weil ich keinen Zweifel aufkommen lassen wollte, dass mein Sohn die einzige und ausschließliche Nummer 1 in meinem Leben ist.

Umgekehrt habe ich das übrigens nicht anders gemacht und mir waren Frauen immer suspekt, die mir gleich ihre (Klein)Kinder vorstellen wollten. Erst wenn ich mir zumindest einigermaßen sicher war, dass etwas längerfristiges daraus werden könnte, habe ich mich darauf eingelassen und so war M. 1997 die erste Frau, die meinen Sohn kennenlernen durfte. Sie war klug genug sich nie zwischen meinen Sohn und mich zu stellen. Im Gegenteil, sie unterstützte mich, spornte mich an und gab mir Tipps, was ich mit meinem Sohn unternehmen kann, obwohl sie selbst kein Kind hatte und sich ihr sehnlichster Wunsch leider später auch nicht erfüllen sollte.

Das Kapitel Michaela muss ich an dieser Stelle überspringen, weil ich erst die Geschichte von meinem Sohn, X* (Name geändert) und mir zu Ende erzählen möchte.

Das Verhältnis zwischen X* (Name geändert) und mir war Ende der 90-iger Jahre weitestgehend neutral, aber nicht feindlich, abgesehen von kleinen Scharmützeln, die ab und zu mal auftauchten, dann aber wieder verschwanden. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt, an allem Negativen schuld zu sein und war froh, überhaupt Kontakt zu meinem Sohn haben zu dürfen.

Ich durfte Junior auch aus der Wohnung abholen, was nicht immer so war, weil X* (Name geändert) es eine ganz Zeit lang, sehr zum Unwillen meines Sohnes, nicht wollte und brachte ihn später wieder rauf. Heute kann ich nicht mal mehr sagen, wann ich die Wohnung zum letzten Mal von innen gesehen habe.

Sobald ich jedoch die Wohnung verlassen hatte, begann mein Sohn zu rebellieren und randalieren. Er schmiss seine Spielsachen durch sein Zimmer, tobte wie ein kleiner Berserker und trommelte sogar mit seinen kleinen Fäusten auf X* (Name geändert) ein. Sie schleppte ihn daraufhin von einem Arzt zum anderen und sogar zum Kinder Psychologen, der (angeblich) die nächste psychische Störung diagnostizierte. Sie sollte das aber ignorieren, mit der Zeit würde er schon alleine damit aufhören.

*(kurze Pause wegen akutem Kopfschüttelsyndrom)*

Im Frühjahr 2001, M. und ich hatten uns gerade wieder versöhnt, erzählte mir mein Sohn, dass seine Mutter jetzt auch einen PC und ICQ hätte, aber noch nicht so richtig damit klar käme. ICQ, ausgesprochen „i seek you“ – ich suche dich“, war zu dieser Zeit das, was heute Whatsapp, Facebook Messenger, Twitter und Co sind. Man konnte sich ungestört und unbeobachtet mit den Freunden in seiner ICQ Liste unterhalten und das Programm lief neben den anderen Dingen, die man am PC zu erledigen hatte. Ich war über einen Schweizer Chat Room, in dem ich sehr aktiv war, an ICQ gekommen und hatte bereits reichlich Leute in meiner Freundesliste.

Meinem Sohn bot ich an seiner Mutter bei der Einrichtung von ICQ zu helfen, was ich dann auch kurze Zeit später tat.

Ich nahm X* (Name geändert) in meine ICQ Freundesliste auf und gab ihr auch die Adresse vom Chat, alles ohne jeden Hintergedanken. Wir schrieben die ersten Nachrichten, anfangs völlig belanglosen Kram und höchstselten mal was über Junior, der in Dünnwald die Grundschule besuchte und dort auch keine außergewöhnlichen Probleme hatte. Nach und nach wurden unsere Nachrichten dann aber länger und persönlicher, bis wir wirklich fast die ganze Nacht miteinander „redeten“. Im Gegensatz zu einer persönlichen Unterhaltung, kann man in einem Chat nicht unterbrochen werden und muss den anderen ausreden lassen.

In mir kam wieder der Wunsch nach der kleinen Familie auf und X* (Name geändert) gab mir zu verstehen, dass sie zumindest nicht abgeneigt wäre. Nach all den Jahren, in denen sie mir einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine geworfen hatte, sah ich eine realistische Chance, dass es diesmal mit uns funktionieren könnte.

Ich trennte mich von M., beendete eine kurzzeitig parallel mitlaufende Liebschaft mit einem 15 Jahre jüngerem Mädel aus unserem FC Fan Club und verbrachte mehr und mehr Zeit bei und mit X* (Name geändert) und meinem Sohn, den wir aber vorerst noch nicht einweihten. Ich schlief deshalb auch im Wohnzimmer auf der Couch, wenn ich, natürlich ganz zufällig und völlig ungeplant, bei ihm und seiner Mutter übernachtete.

Eltern sollten ihre Kinder allerdings niemals unterschätzen, denn nach nur kurzer Zeit erklärte unser Sohn seiner Mutter:

„ich habe kein Problem damit, wenn der Papa bei dir im Bett schläft, aber ich will kein Geschwisterchen haben“

Fortsetzung folgt

4 Kommentare zu “Vater sein dagegen sehr – Teil 2

  1. Nicht mal hier schaffst du es, dranzubleiben.

  2. Manni Schmitz

    Ich würde Dir ja gerne antworten, aber ich verstehe den Kommentar nicht.

  3. Wie immer höchst vergnügliche Lektüre, obwohl der Inhalt an sich ja nicht vergnüglich ist. Für dich zumindest nicht.

    • Manni Schmitz

      Danke schön, liebe Renate. Stimmt, es war keine einfache Zeit, aber der Kampf um meinen Sohn hat sich gelohnt.

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