Ich bin wieder da

Erstmal möchte ich mich bei euch entschuldigen, dass ich so lange nichts mehr veröffentlicht habe, aber die ersten Wochen des Jahres waren nicht einfach für mich und es gab auch einiges zu erledigen. So ganz langsam sehe ich wieder Licht am Ende des Tunnels und habe mir deshalb zumindest vorgenommen, in Zukunft wieder etwas aktiver zu werden.[weiterlesen]

Es ist kein Geheimnis, dass ich mit Depressionen zu tun habe, die mich immer wieder zurückwerfen und verhindern, dass ich wieder auf die Füße komme. Für einen Außenstehenden ist es natürlich leicht zu sagen „stell dich nicht so an“, „du musst positiv denken“ oder „alles wird gut“, aber das ist wirklich leichter gesagt, als getan. Es vergeht auch kein Tag, an dem ich mir das nicht vornehme, Pläne mache und mir sogar aufschreibe, was ich erledigen will, um am Ende des Tages doch wieder mit den Gedanken ins Bett zu gehen, dass ich wieder mal nichts davon umgesetzt bekommen habe.

Zuletzt hörte ich einen Satz in einer TV Serie, die im Krankenhaus spielt, der mir sehr zu denken gegeben hat.

„wenn ich die Garantie hätte, dass es einen Himmel gibt und ich dahinkomme, dann würde ich gehen, denn schlimmer als hier kann es dort gar nicht sein und es gibt auch nichts mehr, worauf ich mich in meinem Leben freuen könnte“

Genauso geht es mir auch. Worauf soll ich mich denn freuen? Meine Eltern sind 80 und 81. Sie sind zwar noch einigermaßen fit und vital, aber es ist abzusehen, dass sie nicht immer bei mir sein werden. Ben ist im Januar 9 Jahre alt geworden. Wenn es gut läuft, wird er nochmal so alt, aber dann werde ich auch ihn verlieren.

Das Thema Arbeit ist ebenfalls durch. Ich habe mein ganzes Leben lang sehr, sehr gerne gearbeitet, war mit Spaß und Begeisterung bei der Sache, habe sogar mein Privatleben dafür zurückgestellt. Heute könnte man mir jeden noch so gut dotierten Job anbieten, ich würde ihn ablehnen, weil ich weiß, dass ich ihm gar nicht mehr gerecht werden könnte, selbst wenn ich es wollte. Und NEIN, es würde auch meine Krankheit nicht heilen, nicht mal lindern. Zugegeben, das liegt auch an meinem Hund, Ben. Für nichts in der Welt würde ich ihn alleine lassen, oder sogar abgeben. Der kleine Kerl rettet mir seit September 2013 jeden Tag das Leben, auch wenn wir Anfangs große Probleme miteinander hatten. Das hört sich sicher etwas übertrieben an, aber es ist wirklich so. Er gibt mir das Gefühl gebraucht zu werden, die Kraft das alles weiter durchzustehen und so viel Liebe, wie ich sie ansonsten nicht mehr bekommen würde, zumindest nicht so bedingungslos.

Freunde, das sogenannte soziale Umfeld, gibt es auch ein paar in meinem Leben, aber die haben genug mit sich selbst zu tun und da werde ich den Teufel tun und sie mit meinem Schei.. noch zusätzlich belasten. Es klingt komisch, aber auch für sie mache ich weiter, weil ich sehen will, was aus ihnen wird und sie auch in gewisser Weise ein Beispiel dafür sind, wie mein Leben auch hätte aussehen können, hätte ich zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen und den Mut für Veränderungen aufgebracht.

Zu meinem Sohn (26) habe ich nur noch einen sporadischen Kontakt. Er lebt jetzt sein eigenes Leben, in dem ich keinen Platz mehr habe. Etwas über 10 Jahre war das anders, da war er fast jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag mittag bei mir. Wir waren das „Powerteam“, dass alles miteinander erlebt hat, was sich ein Junge in diesem Alter von seinem Vater wünschen kann. Das ist seit 2012 vorbei, worüber ich ihm nicht mal böse sein kann. Irgendwann muss man sein Kind loslassen, es sein eigenes Leben leben lassen, aber musste es gleich so abrupt sein? Kann man seinen Vater nicht wenigstens zwischendurch mal besuchen? Wenn ich meinen Sohn sehen möchte, dann kann ich das am Geburtstag meiner Mutter, meines Vaters, meiner Schwester und zu Weihnachten. Dann ist er nämlich bei meinen Eltern zu Besuch, die keine 500m Fußweg von mir entfernt wohnen. Ab und an ist er auch mal außer der Reihe bei ihnen, dann aber mit seiner Mutter im Schlepptau und dann bleibe ich weg. Ihn besuchen kann ich auch nicht, weil er mit seiner Mutter zusammen wohnt und sie sogar zusammen arbeiten.

Eine Partnerin habe ich auch nicht, vielleicht nicht mal aus Mangel an Gelegenheit, sondern weil ich das Gefühl habe, mich nicht mehr verlieben zu können und mich einer Frau, in meiner jetzigen Verfassung auch gar nicht zumuten möchte. Ich bin auch nicht der Typ Mann, der einer Frau auf der Tasche liegen will. Im Gegenteil, ich war mein ganzes Leben lang immer sehr großzügig, nicht nur, aber halt doch mehr den Frauen gegenüber. Es wird schwer eine Frau zu finden, die in meinem Beisein etwas bezahlt hat, egal ob Café, Kneipe, Essen, Kino, oder sonst was. Dafür musste ich die Frau noch nicht mal gut kennen, eine flüchtige Bekanntschaft reichte völlig aus und so ist es heute noch. Manche werden das dumm nennen, wieder andere vielleicht sogar großspurig, aber in bin nun mal aus der Generation, in der die Männer für die/ihre Frauen bezahlt haben und das kriege ich auch nicht mehr raus. Das ist/war auch keine Masche, um jemand zu beeindrucken, oder gar in Erwartung einer Gegenleistung.

Nein, wenn ich mit einer Frau ausgehe, zahle ich. PUNKT.

Es sei denn, es ist vorher anders verabredet, aber selbst dann habe ich mir oft genug etwas einfallen lassen, um das zu umgehen.

Mein Hauptproblem ist zur Zeit der Kampf mit der Rentenversicherung. Es ist unfassbar, was man über sich ergehen lassen muss, wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr am Arbeitsleben teilnehmen kann und vom Staat zumindest eine Grundsicherung, aus den in 36 Berufsjahren vorgeleisteten Renteneinzahlungen haben möchte, aber davon erzähle ich in meiner nächsten Geschichte.

 

 

 

5 Kommentare zu “Ich bin wieder da

  1. Mein lieber Manni, Bruder im Geiste. Ich kann das alles leider zu gut nachvollziehen. Früher habe ich viel Spaß an meinem Beruf und der Branche in der wir waren, gehabt. Nachdem ich mir 2003 etwas anderes suchen mußte, bin ich im Vertrieb für Bauelemente gelandet. Hat mir auch spaß gemacht und fast vom ersten Tag an konnte ich da wieder mein Können unter Beweis stellen. Am Telefon kaltaquise, Termie machen. Wie ich heute weis, der Beruf mit der höchsten Herzinfarkt Quote und anderen Folgen. Ich war, ohne mich selbst zu loben, ganz schnell der Beste. Habe danach mehrere Callcenter aufgebaut und die Mitarbeiter geschult. Auch mehrere Firmen mit Partnern gegründet. Ging meistens schief, warum? Waren die falschen Partner. Dreimal sogar mit meinen eigenen Bruder. Egal, Vergangenheit. Danach habe ich im kleinen Rahmen wieder Termine gemacht, für einem Freund. Es wurde mir dann zu schwer, wie immer mußte ich der Motivator sein, dabei fiel es mir schon schwer mich selber zu morivieren. Also lies ich das einschlafen. Auch heute noch hätte ich ca. 3 Firmen die sofort mit mir zusammen arbeiten würden und ich könnte wieder viel Geld verdienen. Aber das wäre Horror für mich, ich würde daran kaputt gehen. Heute ist jede kleine Änderung in meinem gewohnten Leben sehr schwer zu verkraften. Selbst Aufräumen in meiner Wohnung fällt mir sehr schwer. Gut das meine Wohnung so groß ist, lach. Trotzdem leite ich seit 9 Jahren eine Selbsthilfegruppe für Alkoholiker und Depressive hier im Krankenhaus. Vor 4 Jahren habe ich hier im Ort eine Freiwilligenagentur aufgebaut, aber mich dann zurückgezogen, auch wenn es freiwillg war, so blieben doch immer wieder Zwänge, die mich belasten. Ich bin jetzt nur noch als Berater da tätig, aber es wäre so viel zu tun. Ich verstehe meine Depression selber nicht. Ich versuche mich damit abzufinden, das ist für mich die einzige Möglichkeit zu verkraften das keine Energie/Lust mehr vorhanden bei mir ist. Durch Glück und ohne eigenes Zutun bin ich seit 4 Jahren in EU Rente. Heute ist das alles viel schwieriger, kenne ich aus meinem Umfeld. Ist seit 2015 so, warum wohl ?
    Also Manni, Du bist nicht alleine ! Ich habe auch Verständnis für Menschen die das nicht verstehen, wie sollen sie auch, wenn ich es selber nicht verstehe ? Dein Freund Harry
    P.S.: Klasse ge- und beschrieben, mach weiter so, das tut Dir sicherlich auch gut !

  2. Mein lieber Manni, Bruder im Geiste. Ich kann das alles leider zu gut nachvollziehen. Früher habe ich viel Spaß an meinem Beruf und der Branche in der wir waren, gehabt. Nachdem ich mir 2003 etwas anderes suchen mußte, bin ich im Vertrieb für Bauelemente gelandet. Hat mir auch spaß gemacht und fast vom ersten Tag an konnte ich da wieder mein Können unter Beweis stellen. Am Telefon kaltaquise, Termine machen. Wie ich heute weis, der Beruf mit der höchsten Herzinfarkt Quote und anderen Folgen. Ich war, ohne mich selbst zu loben, ganz schnell der Beste. Habe danach mehrere Callcenter aufgebaut und die Mitarbeiter geschult. Auch mehrere Firmen mit Partnern gegründet. Ging meistens schief, warum? Waren die falschen Partner. Dreimal sogar mit meinen eigenen Bruder. Egal, Vergangenheit. Danach habe ich im kleinen Rahmen wieder Termine gemacht, für einen Freund. Es wurde mir dann zu schwer, wie immer mußte ich der Motivator sein, dabei fiel es mir schon schwer mich selber zu motivieren. Also lies ich das einschlafen. Auch heute noch hätte ich ca. 3 Firmen die sofort mit mir zusammen arbeiten würden und ich könnte wieder viel Geld verdienen. Aber das wäre Horror für mich, ich würde daran kaputt gehen. Heute ist jede kleine Änderung in meinem gewohnten Leben sehr schwer zu verkraften. Selbst Aufräumen in meiner Wohnung fällt mir sehr schwer. Gut das meine Wohnung so groß ist, lach. Trotzdem leite ich seit 9 Jahren eine Selbsthilfegruppe für Alkoholiker und Depressive hier im Krankenhaus. Vor 4 Jahren habe ich hier im Ort eine Freiwilligenagentur aufgebaut, aber mich dann zurückgezogen, auch wenn es freiwillig war, so blieben doch immer wieder Zwänge, die mich belasten. Ich bin jetzt nur noch als Berater da tätig, aber es wäre so viel zu tun. Ich verstehe meine Depression selber nicht. Ich versuche mich damit abzufinden, das ist für mich die einzige Möglichkeit zu verkraften das keine Energie/Lust mehr vorhanden bei mir ist. Durch Glück und ohne eigenes Zutun bin ich seit 4 Jahren in EU Rente. Heute ist das alles viel schwieriger, kenne ich aus meinem Umfeld. Ist seit 2015 so, warum wohl ?
    Also Manni, Du bist nicht alleine ! Ich habe auch Verständnis für Menschen die das nicht verstehen, wie sollen sie auch, wenn ich es selber nicht verstehe ? Dein Freund Harry
    P.S.: Klasse ge- und beschrieben, mach weiter so, das tut Dir sicherlich auch gut !

    • Manni Schmitz

      Mein lieber Freund Harry, ich danke Dir von ganzem Herzen für Deine Worte, die mir sehr nahe gegangen sind. “Ich habe auch Verständnis für Menschen die das nicht verstehen, wie sollen sie auch, wenn ich es selber nicht verstehe?” dem ist nichts hinzuzufügen, denn genau so ist es auch bei mir. Halt Du auch den Kopf oben und Dich nicht unterkriegen. Wenn was ist, ich bin für Dich da, so wie Du für mich immer da bist. Liebe Grüße und auch Dir ein schönes Wochenende.

  3. Deine Gefühle und Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen. Depression ist eine Scheißkrankheit, weil sie als solche oft gar nicht wahrgenommen wird, sondern Reaktionen oft nur lauten, reiß dich doch zusammen … es geht dir doch gut …
    Dummes Geschwätz von dummen Menschen.

    • Manni Schmitz

      Danke Dir ganz herzlich, liebe Renate. Ich mache diesen Menschen nur den Vorwurf, dass sie sich nicht informieren (lassen wollen) und einfach drauf los plappern. Genau das passiert, wenn man sich etwas bzw. einen Menschen so nicht vorstellen kann. Ich war 3/4 meines Lebens ein (lebens)lustiger Mensch, der ganze Gruppen alleine unterhalten konnte und es gelingt mir heute noch andere Menschen aufzuheitern, obwohl mir selbst nicht nach lachen zumute ist. Du hast mit Deinem Kommentar bei Facebook gar nicht so unrecht. Vielleicht ist es wirklich die, zum größten Teil selbst verschuldete, Einsamkeit, die mich so hat werden lassen. Liebe Grüße aus Köln und schönes Wochenende.

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