50 erste Dates – Kurzgeschichten – Teil 1

50 erste Dates …

… sind in meinem Leben bestimmt zusammengekommen, weil ich wirklich keine Möglichkeit ausgelassen habe Frauen kennenzulernen. Egal ob ich auf Zeitungsanzeigen geantwortet, oder sie selbst geschaltet habe, danach erst per Telefon auf diversen Datinglines unterwegs, oder später in fast jeder Online Singlebörse angemeldet war, an Dates hat es nie gemangelt und von den spannendsten und lustigsten, möchte ich in dieser Geschichte erzählen. Auf eine chronologische Reihenfolge werde ich ebenso verzichten, wie, abgesehen von der ersten Geschichte, in der der Name eine wichtige Rolle spielt, auf die Namen der Damen. Der Anfangsbuchstabe genügt völlig, denn, wie heißt es so schön, „ein Kavalier genießt und schreibt“ (oder so ähnlich)[weiterlesen]

Helene hatte ich in der Tanzschul-Disco kennengelernt und sie kam wie ich aus Zollstock. Ganz romantisch fragte ich sie auf einer unserer vielen gemeinsamen Fahrten mit der KVB Linie 12, ob sie nicht mal Lust hätte mit mir ins Kino zu gehen. „Ruf mich morgen mal an, ich überlege es mir“, sagte sie, drückte mir einen Zettel mit ihrer Telefonnummer in die Hand und stieg an der Haltestelle Pohligstraße aus. Ich war happy, gleich der erste Versuch auf ein Rendevouz war gelungen und ich konnte es kaum erwarten am nächsten Tag bei ihr anzurufen.

Abends, meine Eltern hatten sich ins Wohnzimmer verkrümelt, meinen Schwester war bei einer Freundin, schnappte ich mir das mausgraue Telefon und wählte mit zitternden Fingern ihre Nummer. Wie damals in allen Familie üblich, hatte die Mutter des Hauses die Gewalt über das Telefon und die meldete sich auch mit einem zackigen, Kasernenhoftonähnlichen „Hoffmann“. Ich knallte die Hacken zusammen und stand kerzengerade neben dem Küchentisch. Das ich mir nicht den Hörer zum Gruß an die Stirn gedonnert habe, habe ich zum Glück gerade noch verhindern können.

„Guten Abend Frau Hoffmann, hier ist der Manfred, dürfte ich bitte die Helene sprechen?“, stotterte ich, immer noch am ganzen Leib zitternd, in den Hörer.

„datt Leni is nitt do“ entgegnete mir die noch einen Tick schroffer gewordene Stimme am anderen Ende der Leitung. Meinen nicht der kölschen Sprache mächtigen Lesern sei gesagt, dass mir Frau Hoffmann höflich und mit engelhafter Stimme mitteilte, dass das holde Töchterlein im Moment nicht zugegen ist.

„würden sie ihr bitte ausrichten, dass ich angerufen habe und mich über ihren Rückruf sehr freuen würde.“

„wie is dann ding Nummer?“ Frau Hoffmann fragte mich doch tatsächlich nach meiner Telefonnummer. Wollte am Ende sie mit mir ins Kino gehen, falls „datt Leni“ es sich doch noch anders überlegt hatte? In Dieter Thomas Hecks Hitparade schmetterte Peter Maffay sein „ich war 16 und sie 31 und es war Sommer“, aber wahrscheinlich spielte mir meine damals schon blühende Fantasie eh nur einen Streich und noch bevor ich diesen, eigentlich gar nicht mal so üblen, Gedanken weiterführen konnte, holte mich Frau Feldwebel Hoffmann mit einem „hallo, biste noch dran“ wieder auf den harten Boden der Realität.

„ja, meine Telefonnummer ist 365***, vielen Dank Frau Hoffmann und noch einen schönen Abend“ (meine Eltern haben diese Nummer tatsächlich heute noch und um sie vor Fananrufen meiner weiblichen Leserinnen zu bewahren, habe ich sie gekürzt)

„is jot, tschö“ dröhnte es in meinen Ohren und schon hatte sie den Hörer aufgelegt.

Leni rief mich tatsächlich später zurück und wir verabredeten uns für den nächsten Sonntag fürs Kino. Im UFA Palast lief „Die Bullen von Dallas“ und weil Leni und ich zu der Zeit schon, natürlich heimlich, rauchten, kaufte ich uns 2 Tickets für die Raucherloge, die abgetrennt durch eine Glasscheibe, hinter dem großen Zuschauersaal war. Wir hatten Glück und hatten die Loge für uns allein, was ich allerdings am Ende des Films sehr gut verstehen konnte. Leni gefiel er auch nicht, also unterhielten wir uns, ließen uns die Cola und das Langnese Eis Konfekt schmecken und qualmten fröhlich vor uns hin. Irgendwann legte ich meinen Arm um sie und es kam, was kommen musste. Wir knutschten wie die Weltmeister und schenkten Nick Nolte und seinen Kollegen keinerlei Beachtung mehr.

Leider blieb es beim knutschen, denn als ich meine Fingerchen auf Wanderschaft schickte, was in den unbequemen und bei jeder Bewegung quietschenden Kinositzen kein leichtes Unterfangen war und endlich Lenchens gut gefüllten BH erreicht hatte, stoppte sie mich mit einem „loss dä BH zo“. Komisch, aber irgendwie kamen mir ihr Ton und vor allen Dingen die Lautstärke gleich sehr vertraut vor und deshalb zündete ich mir dann doch lieber vorzeitig meine erste Zigarette „danach“ an.

Übrigens, aus Leni und mir ist nie etwas geworden und auch ihre Mutter habe ich nie kennengelernt. Wie man aber, auch in unbequemer Position, einen BH mit 2 Fingern öffnet, habe ich trotzdem noch gelernt.

In der nächsten Geschichte erfahrt ihr dann, warum Sumoringen doch eine Sportart ist und auch Frauen es mit der Wahrheit manchmal nicht so ganz genau nehmen.

5 Kommentare zu “50 erste Dates – Kurzgeschichten – Teil 1

  1. Tja, die berühmten ersten Male … unterschiedlich, aber doch irgendwie ähnlich. Auch wenn die Dialekte anders klingen.

    • Manni Schmitz

      Danke schön, liebe Renate, das berühmte erste Mal war es zwar nicht, es bleibt aber trotzdem unvergessen und ich erinnere mich auch noch immer sehr gerne daran. Liebe Grüße an den schönen Ammersee.

  2. Huhu Manni😉
    Ich habe auch ähnliche Kino Erinnerungen und denke sehr gerne an meine Jugendzeit in Zollstock und Raderberg zurück.
    Bützje aus der Ferne😘

  3. Fritz Oosterbeek

    Sehr schön geschrieben, lieber Manni. Wir kennen uns auch aus besagter Tanzschule und Leni sagt mir auch was, war ich doch mal kurz mit ihr zusammen. Hab nachher aber die Freundin gewechselt (andere Straßenseite), wahrscheinlich weil mir u. a. der bei den Hoffmanns herrschende Ton nicht gefallen hat. Richtigen Respekt hatte ich allerdings vor ihrem großen Bruder Jupp, einem damals – zumindest im Kölner Süden – bekannten Schläger. Hach, war trotzallem (oder gerade deswegen?) ein schöne Zeit… Schöne Jrooß, Fritz

    • Manni Schmitz

      Hallo lieber Fritz, vielen Dank für den schönen Kommentar. Natürlich erinnere ich mich an Dich und unsere Tanzschulzeit beim Breuer, oder in der Disco beim Schulerecki 🙂 Den großen Bruder vom Lenchen habe ich nie kennengelernt, nach Deiner Beschreibung bin ich darüber aber auch jetzt nicht so unglücklich 😉 Stimmt, et wor en superjeile Zick 🙂 Ne schönen Jrooß retour, Manni

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