Der Mann, der die Frauen liebte – Teil 4 – die wilden 80`er

Marion – Münchhausens unbekannte Schwester

Marion hat öfter davon gesprochen, dass sie das Kind nicht haben wollte und war auch zur Beratung bei Pro Familia. [weiterlesen]

Ich bin in Notsituationen dafür, dass eine Frau ein Kind abtreiben darf. Zum Beispiel bei einer Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung, oder Missbrauch in der Familie, oder wenn zweifelsfrei feststeht, dass das Kind schwerstbehindert auf die Welt kommt und/oder vielleicht sogar das Leben der Mutter gefährdet ist.

Marion sah sich in so einer Notsituation. Das Kind wäre ohne Vater aufgewachsen, sie hatte nicht die finanziellen Möglichkeiten, ein Kind großzuziehen und wäre unweigerlich zum Sozialfall geworden. Mir war trotzdem nicht ganz wohl bei dem Gedanken an eine Abtreibung, ich habe mich aber weitestgehend bei diesem Thema zurückgehalten. Es stand mir auch gar nicht zu, mich dazu zu äußern.

Als sie fast schon im 6. Monat war, hieß es Freitags auf der Arbeit, dass Marion sich einen Tag freigenommen hätte. Mir hatte sie davon nichts erzählt. Unser Kontakt war aber jetzt auch nicht so eng, dass wir täglich über private Dinge sprachen. Sie wusste z.B. umgekehrt auch nicht, dass ich ein Wochenende bei Martina in Velbert verbracht hatte.

Das ganze Wochenende habe ich auch nichts von Marion gehört, was aber ebenfalls nicht ungewöhnlich war. Montag morgen saß sie wieder im Büro, kreidebleich, mit Schweißperlen auf der Stirn und am ganzen Leib zitternd. Sie hätte starke Blutungen gehabt und das Kind in der Nacht von Freitag auf Samstag im Krankenhaus verloren. Die ganze Firma war in heller Aufruhr und jeder fand ein paar tröstende Worte für sie. Der Verkaufsleiter nahm mich auf Seite und bat mich, mich um sie zu kümmern, zumindest bis es ihr wieder bessergeht. Er wusste, dass wir auch außerhalb der Firma Kontakt hatten, woraus wir aber auch nie ein Geheimnis gemacht haben. Wozu auch, es gab ja nichts, was wir hätten verheimlichen müssen.

Die nächsten Tage verlängerte sich so meine tägliche Tour auf Zollstock – Buchforst – Rodenkirchen – Buchforst – Zollstock. Ich musste zwar morgens eine Stunde früher aufstehen und war abends erst eine Stunde später zu Hause, aber was tut man(ni) nicht alles für seine in Not geratenen Mitmenschen?

Das Jahr 1983 neigte sich dem Ende entgegen und Marion und ich waren mit der Zeit gute Freunde geworden, ohne das sich einer von uns beiden mehr erhofft hätte. Im Nachhinein würde ich es auch eher auf einen (un)glücklichen Zufall schieben, dass wir überhaupt ein Paar wurden. Marion hatte sich nach Feierabend mit ihren Eltern in einer Kneipe am Wiener Platz in Mülheim verabredet und ich sollte unbedingt mitkommen. Ihre Eltern wollten unbedingt den Mann kennenlernen, der sich so rührend um ihre ach so unschuldig in Not geratene Tochter gekümmert hatte und sie wollte sich mit ein paar Kölsch für meine Hilfe bedanken. „Du kannst Dein Auto bei mir stehenlassen und auf der Couch schlafen, dann kannst Du wenigstens was trinken, morgen früh fahren wir dann eben von mir aus ins Büro.“ Dagegen war im Prinzip nichts einzuwenden und der Abend verlief auch genau so, wie wir das abgesprochen hatten. Mit ihren Eltern habe ich mich an diesem Abend wunderbar verstanden, wir haben viel gelacht, hatten Spaß und am Ende des Abends einen ziemlich vollen Deckel, den ich dann bezahlt habe.

Von da an unternahmen Marion immer wieder mal was und wenn es spät wurde, oder ich ein paar Bierchen getrunken hatte, habe ich bei ihr übernachtet. Erst ganz brav auf der Couch, aber halt irgendwann auch in ihrem Bett. In die Beziehung bin ich dann, im wahrsten Sinne des Wortes, reingerutscht.

Sehr viele Gefühle waren aber wahrscheinlich zum Anfang auf beiden Seiten nicht da. Wir haben uns gut verstanden, konnten gut miteinander reden, aber in erster Linie wird uns wohl die Angst vor dem Alleinsein, oder der temporäre Mangel an Alternativen zusammengeführt haben und dementsprechend lief dann auch die Beziehung. Die Woche über arbeiteten wir in der gleichen Firma und an den Wochenenden verbrachten wir auch zunehmend mehr Zeit miteinander.

Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass wir uns Minimum zwanzig Mal getrennt haben, natürlich immer endgültig, um es dann irgendwann doch wieder zu versuchen. Das ging von ihr genauso oft aus, wie von mir. Manchmal lagen Monate zwischen Trennung und Versöhnung, ein anderes Mal nur ein paar Tage. Verständlich, dass uns nach einer Zeit keiner mehr geglaubt hat, wenn es mal wieder hieß, wir haben uns, diesmal aber wirklich endgültig, getrennt. Erst im Dezember 1989, also nach 6 Jahren, schafften wir es, für immer auseinanderzugehen. Seit diesem Tag habe ich Marion nie mehr gesehen, oder gehört. Irgendwann erfuhr ich, dass sie geheiratet hat und Mutter geworden ist. Durch Zufall habe ich sie dann vor ein paar Jahren bei Stayfriends gefunden und kurz und freundlich angeschrieben, bin ja schließlich ein nettes Kerlchen. Sie hat aber nicht geantwortet und mich sogar gleich blockiert, man könnte denken, dass sie das mit dem netten Kerlchen doch etwas anders sieht 😉

Ich darf eigentlich gar nicht darüber nachdenken, was ich mit dieser Frau erlebt habe. Marion litt, davon bin ich heute felsenfest überzeugt, am Münchhausen Syndrom und war, das muss ich zugeben, auch sehr erfindungsreich und überzeugend, wenn sie mir bzw. uns ihre Geschichten erzählte. Vielleicht kam noch das ungestillte Verlangen nach Aufmerksamkeit dazu. Sie machte das ja nicht nur bei mir so, sondern auch bei ihren Eltern, ihrem Bruder, meinen Eltern, ihren Freundinnen und Kollegen, usw.

So kam sie eines Abends in Tränen aufgelöst und am ganzen Körper zitternd zu mir und erzählte, dass ein Mann sich aus dem Hochhaus gestürzt hätte, in dem sie zu der Zeit arbeitete. Er wäre an ihrem Fenster vorbeigeflogen und sie hätte ihm ins Gesicht sehen können.

Als ich abends in meine Stamm-Videothek kam, die nur 200 m von diesem Hochhaus entfernt war, sprach ich den Videothekar natürlich auf Marions Geschichte an. Er sah mich an, grinste und sagte, „Manni, ich schwöre Dir, der wäre noch nicht gelandet, da hätte hier schon das Telefon geklingelt und man hätte mir das berichtet. Da ist ganz bestimmt niemand vom Hochhaus gesprungen.“ Auf dem Heimweg bin ich dann extra nochmal an ihrem Büro vorbeigefahren, aber da war nichts, was auch nur ansatzweise auf ein solches Unglück hingewiesen hätte und in den Kölner Tageszeitungen war in den nächsten Tagen auch nichts davon zu lesen.

Ich habe Marion nicht darauf angesprochen. Warum auch? Es hätte nur Theater gegeben und das war es mir nicht wert. Meine Antennen standen eh schon längst auf Empfang, wenn sie mir irgendetwas erzählte.

Irgendwann kommt die Wahrheit nun mal immer ans Tageslicht. Für mich übrigens der Hauptgrund, warum ich Lügen so gut es geht vermeide. Es ist nämlich viel schwerer, sich nachher rauszureden, warum man auch noch gelogen hat, als gleich einen gemachten Fehler zu entschuldigen.

Warum ich nicht von ihr los kam, kann ich im Nachhinein nicht sagen. Meistens war es so, dass ich eine andere Frau kennenlernte, mit Marion Schluss machte und wenn ich merkte, dass die Neue doch nicht so toll wie gedacht war, zu Marion zurückgegangen bin. Ich muss zugeben, dass ich das teilweise ziemlich übertrieben habe. Es gab auch immer nur sehr kurze Phasen, in der ich auch nach außen hin zu Marion gestanden habe. Das war meistens dann der Fall, wenn ich mal wieder reumütig zu ihr zurückgekehrt war, oder wenn ich erfuhr, dass Marion jemand kennengelernt hatte. Sobald ich ihr das kaputtgemacht hatte, war meine Mission erfüllt und ich konnte in meinen alten Trott zurückfallen.

Heute würde man sagen „läuft bei dir“, aber in der Zeit war es wirklich so, dass ich einen Lauf bei den Frauen hatte, besonders als ich 1987 in der Videobranche anfing und mit einem 3-er BMW vorgefahren kam. Dazu kam eine eigene Wohnung, immer schicke Klamotten, ein paar Mark in der Tasche, das sprach sich schnell rund und ich wurde plötzlich auch für die Frauen interessant, die mich bis dahin mit ihren kleinen und großen Hintern nicht angesehen hatten. Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass mir das nicht geschmeichelt hat und ich habe es auch reichlich ausgenutzt.

Marion bekam von all dem nichts mit und ich beruhigte mein schlechtes Gewissen, in dem ich begann sie finanziell zu unterstützen. Sie konnte nie gut mit Geld umgehen, saß deshalb auch mehrmals ohne Telefon und Strom in ihrer Wohnung, weil man den mal wieder gesperrt hatte. Spätestens Mitte des Monats hatte sie keinen Pfennig Geld mehr in der Tasche. Ich habe dann die noch offenen Rechnungen bezahlt, ihre Einkäufe finanziert und ihr auch oft Geld zugesteckt, was aber ganz schnell wieder weg war, weil Marion sich davon neue Klamotten kaufte.

Es gab sehr viele Frauen in meinem Leben, an die 100 werden es sicher gewesen sein, womit ich nicht prahlen will. Ich kann nicht mal sagen, dass ich stolz auf diese Zahl bin. Wenn es nach meinem Herz gegangen wäre, wäre ich mit Marina, spätestens aber mit Michaela, für immer zusammengeblieben. Das Schicksal hat es anders gewollt und ich wurde zum Jäger und Sammler. Es gab heiße Urlaubsflirts, oder mit Kolleginnen im Büro, genauso wie Kurzepisoden während einem durchzechten Wochenende, Dates, die zur Sexaffäre wurden, oder Treffen mit Frauen aus den Chats, in denen ich unterwegs war, bei denen von vorne herein klar war, dass es beim Sex bleiben würde und Frauen, in die ich mich Hals über Kopf verliebte, aber nicht zurückgeliebt und teilweise nach Strich und Faden verarscht wurde. In der Beziehung war ich ein treudoofes Schaf, das denen auch noch die 4., 5. und sogar die 10. Chance gegeben hat.

Natürlich gab es auch Frauen, bei denen es genau umgekehrt war. Sie wollten mehr von mir, als ich zu geben bereit war und diesen Frauen habe ich dann oft wehgetan. Ich möchte mich jetzt bestimmt nicht rausreden, aber wenn ich merkte, dass sich eine Frau in mich verliebt hatte, ich aber keine feste Beziehung mit ihr wollte, dann habe ich ihr das ehrlich gesagt. Jetzt soll es ja Frauen geben, man(n) munkelt es zumindest, die nicht einsehen wollen, dass auch Männer mal Nein sagen und das dann auch wirklich so meinen. Da ging es dann leider etwas böse zu Ende.

Ich war rastlos, immer getrieben von der Sehnsucht nach der einen Frau, mit der ich eine Familie gründen und alt werden kann. Mein Standardsatz zu dieser Zeit war, dass ich mit 30 verheiratet und Vater sein möchte. Das mit dem Vater werden habe ich hinbekommen, eine Ehe leider nie.

Diana, die Mutter meines Sohnes, lernte ich im Dezember 1988 kennen. Meine Schwester war zu der Zeit ihre beste Freundin und hatte sich mit Diana im Kölner Treff, in der Altstadt verabredet. Es war kurz vor Silvester, mit Marion war mal wieder endgültig Schluss und als Heike mich fragte, ob ich mitgehen will, brauchte ich nicht lange zu überlegen. Das dieser Abend mein weiteres Leben beeinflussen sollte, konnte ich natürlich nicht wissen, aber diese Geschichte werde ich euch beim nächsten Mal erzählen.

4 Kommentare zu “Der Mann, der die Frauen liebte – Teil 4 – die wilden 80`er

  1. Gut geschrieben und Du bist gnadenlos ehrlich, warum ?

    • Manni Schmitz

      Danke Harry, ich kann nicht anders. Es ist/war ein Teil meines Lebens und ich stehe zu allen positiven, aber auch negativen Erlebnissen.

  2. Huhu Manni😀
    Jaja die Frauen…..ohne uns wäre es auch echt langweilig.😉😁
    Finde es sehr spannend,
    was du so alles erlebt hast.👍🏼😃
    😘

    • Manni Schmitz

      Liebe Karin,
      man macht schon so einiges in seinem Leben mit, auch wenn ich auf so manche Episode gut hätte verzichten können.
      Du weißt ja selbst, et is, wie et is, et kütt, wie et kütt un et hätt noch immer jot jejange 😉
      :-*

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