Ben – mein neues Leben in der Großstadt – Teil 1

Wuff zusammen. Herrchen hat im Moment eine Schreibblockade, deshalb haue ich jetzt mal mit meinen Pfoten auf die Tasten und erzähle euch ein bisschen aus meinem Leben.

Ich wurde am 10. Januar 2009 in Grevenbroich geboren, weiß aber leider nicht so genau, wer meine Eltern sind. Bei uns Hunden ist das nämlich nicht so kompliziert, wie bei euch Menschen. Wir sehen uns, beschnüffeln uns ausführlich und wenn es passt, gehts gleich zur Sache. Da juckt es uns auch nicht, ob wir im Park, vor dem Supermarkt, oder beim Tierarzt sind. Wir tauschen danach auch keine Chipnummern aus, oder schwören uns ewige Liebe und Treue. Die bekommen nur unsere Herrchen und Frauchen, aber auch nur dann, wenn sie uns anständig behandeln.

Vielleicht war das auch der Grund, warum ich nach 4 Jahren bei meiner Erstfamilie ausziehen musste. Die hatten mich zu sich geholt, als ich noch ganz klein war und die ersten 2 Jahre war auch noch alles ok, aber dann gingen die Probleme los. Keiner wollte mehr mit mir Gassi gehen, keiner mit mir spielen, oder auch mal kuscheln. Ich war ein lästiges Anhängsel geworden.

Der Sohn von denen fing dann mit so komischen Spielchen an, die mir gar nicht gefallen haben. Er hielt mir Leckerchen hin, um sie dann wieder wegzuziehen und manchmal sogar selbst zu futtern, wenn ich sie mir holen wollte, oder er leuchtete mir mit einer Taschenlampe in die Augen. Das Schlimmste war aber, wenn er mir Streichhölzer hinterher geschossen hat. Der hat ein Streichholz senkrecht auf die Reibfläche gestellt und sie dann mit Daumen und Zeigefinger in meine Richtung geschnippt. Manchmal, wenn sich die Dinger dabei entzündet haben, flogen sie mir aufs Fell, was höllisch weh getan und auch so merkwürdig gerochen hat. Irgendwann habe ich mich dann zwar mal revanchiert und ihm in die Hand gebissen, aber da ist er gleich weinend zu seinen Eltern gerannt und hat mich verpetzt, die kleine Memme. Die haben ihren Filius natürlich in Schutz genommen. Mit mir haben sie geschimpft und wollten mir sogar mit einer Papierrolle eins überziehen. Ich habe mich unter dem Sofa verkrochen und konnte die Welt nicht mehr verstehen. Gejault habe ich auch, aber nur ein bisschen, bin ja schließlich ein ganzer Mann.

Ein paar Tage später ist Herrchen mit mir zum Tierarzt gefahren. Ich habe nicht viel von dem verstanden, was sie erzählt haben. Es hatte wohl irgendwas mit Eiern zu tun. Herrchen hat der netten Schwester dann meine Leine in die Hand gedrückt, sich verabschiedet und ist wieder raus zum Auto. Zum Anfang habe ich noch gedacht, ich wäre in so einem Wellness Salon und würde jetzt den ganzen Tag mit herrlichen Massagen, Kopfkraulen und einer Maniküre verwöhnt. Deshalb hatte ich auch kein Problem damit, als die Schwester mich in so einen komisch riechenden Raum brachte, in der ein Mann in einem grünen Kittel stand. Ja is denn schon wieder Karneval, dachte ich noch so bei mir, als mir sein Mundschutz auffiel. Der arme Mann hatte sicher ganz schlechte Zähne, oder einen üblen Mundgeruch und wollte nicht, dass die Kollegen das mitkriegen. Mein Kopfkino sprang an und ich sah diesen armen Dreibeiner, wie er verzweifelt, aber vergeblich versuchte seine Kronjuwelen sauber zu lecken. In manchen Dingen ist es halt doch besser ein Hund zu sein.

Er zog die Gummihandschuhe nochmal nach und nickte der Schwester zu, die mich daraufhin hochhob und auf so ein mit weißen Tüchern abgedecktes Metallgestell legte. Ok, Bauchkraulen geht zwar auch auf dem Fußboden, aber für so ein hübsches Karbolmäuschen macht man(n) ja gerne eine Ausnahme. Ich drehte mich auf den Rücken, setzte mein schönstes Lächeln auf und ließ alle fünf, ääähhh, Verzeihung, vier Pfoten lässig herabbaumeln. Das hat der Maskenmann dann gleich ausgenutzt und er fing an mich mit seinen Gummihandschuhen zu befummeln. Mein „Hallo? Finger weg, lass das mal schön deine Kollegin machen“, unterstützt von einem kurzen Knurrer, schien ihn leider wenig zu beeindrucken. Als ich meiner Forderung mit einem Fletscher Nachdruck verleihen wollte, spürte ich einen Piekser in der Leistengegend. Die eben noch von mir so geschätzte Schwester hatte mir doch tatsächlich eine Spritze gesetzt und sah mich jetzt aus ganz traurigen Augen an, als wollte sie sich dafür entschuldigen. Sie strich mir zärtlich über den Kopf und murmelte irgendwas von „schlaf schön und träum süss“. Gerade als ich ihr ein verzeihendes „ich seh dir in die Augen, Kleines“ zuflüstern wollte, merkte ich, wie ich plötzlich ganz schrecklich müde wurde und mir immer wieder die Augen zufielen. Ok, dann mache ich erstmal ein Nickerchen, danach kann ich sie immer noch auf einen Napf Trockenfutter einladen.

Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen habe, aber ich hatte schreckliche Albträume, in denen sich alle Hundedamen aus Grevenbroich von mir abwendeten, weil ich ja jetzt kein Mann mehr wäre. Meine Hundekumpel grinsten und feixten, wenn ich sie auf der Wiese traf. „Na Ben, oder heißt du jetzt Benita?“ Selbst die Welpen aus dem Hunde Kindergarten konnten sich ihre Sprüche nicht verkneifen. „Hey Ben, wie kastriert man einen Kühlschrank? Tür auf, Eier raus, Tür zu“. Ha ha, sehr witzig.

Ich lag auf einem weichen Kissen in irgendeinem abgewetzten Hundekorb, neben dem ein leerer Fress- und ein halbvoller Wassernapf standen. War das nicht der Stahltisch da in der Mitte, auf dem ich eben noch gelegen hatte und was bedeuteten die Blutverschmierten Gummihandschuhe und Tupfer in dem übervollen Mülleimer davor? Sogar ein Mundschutz hing über dem Rand. Ich merkte, wie sich meine Nackenhaare sträubten und ich nervös wurde. Dann sah ich den Verband um meine Hüften. Nur mein bestes Stück hatten sie nicht verbunden, wenigstens etwas. Als ich mir das etwas genauer ansehen wollte, ging die Tür auf und mein Herrchen kam herein, hinter ihm meine Lieblingsschwester und der Maskenmann. Herrchen hob mich vorsichtig hoch und verabschiedete sich dann von den Beiden „vielen Dank, Herr Doktor, ich hoffe, dass Ben jetzt nicht mehr ganz so aggressiv ist, bitte schicken sie mir die Rechnung nach Hause“. Doktor? Aggressiv? Rechnung?  So langsam dämmerte mir das ganze Ausmaß dieser Worte. Sie hatten mich tatsächlich kastriert, meiner Rüdenkräfte beraubt, mir die Kronjuwelen geklaut.

Zu Hause angekommen haben die 2 Großen sich wirklich rührend um mich gekümmert. Es gab Leckerchen, Frauchen wollte gar nicht aufhören mich zu streicheln und ich durfte sogar auf der Couch liegen. Nur der Junior hatte wieder so ein diabolisches Grinsen im Gesicht, aber ich war noch viel zu müde, um darauf zu reagieren.

~~ wird fortgesetzt ~~

5 Kommentare zu “Ben – mein neues Leben in der Großstadt – Teil 1

  1. Lieber Ben, du schreibst mindestens genauso gut wie dein Herrchen!

  2. Ben,,,,,, ich glaube das wird mal verfilmt.!
    Bin schon auf Teil II gespannt

    • Manni Schmitz

      Danke schön Flaty, das war die beste Motivation, gleich den 2. Teil zu schreiben. Ich hoffe, er gefällt Dir. Ein Film wäre natürlich toll, wir müssen nur überlegen, ob wir eine Uncut, oder eine Jugendfreie Version machen und wen wir für die weibliche Hauptrolle verpflichten 😉

  3. Karin Döring

    Das ist ja mega süss geschrieben 🙂
    Freue mich auf Teil 2. 🙂
    Lass uns nicht zu lange warten 😉
    Wuff 😉

  4. Total süß und ich hoffe der Junge der Familie hat einen drauf bekommen u ist nicht einer der nächsten Psychopathen von morgen…

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