Depression – Der Anfang

In meiner Zeit auf der Realschule, Mitte der 70er Jahre, hatte ich einen Klassenkameraden, dessen Mutter an Depressionen litt. War ich bei ihm zu Besuch, z.B. um gemeinsam die Hausaufgaben zu machen, oder um für eine Klassenarbeit zu üben, war die Wohnung komplett mit Vorhängen abgedunkelt, die Zimmertüren verschlossen und er bat mich schon vorher besonders leise zu sein, damit seine Mutter nicht gestört wird. Wir haben auch nie Musik gehört, nicht mal laut gelacht, sondern fast flüsternd unseren Schulkram erledigt.

Eines Tages kam sie dann mal ins Zimmer und ich sah eine traurige, schüchterne Frau, die ihre Augen hinter einer großen Sonnenbrille verbarg und ihren Sohn mit leiser, ängstlicher Stimme fragte, ob wir etwas brauchen, oder wann er denn essen möchte. Gleich nach seiner Antwort verließ sie das Zimmer wieder. Jürgen und ich sprachen nie darüber und auch mit anderen Freunden habe ich nie über diese wenigen Begegnungen, die mir gleichzeitig unheimlich und unverständlich waren, gesprochen. Jahre später hat seine Mutter keinen anderen Ausweg gesehen, als sich das Leben zu nehmen.

Das war meine erste Begegnung mit der Krankheit „Depression“.

Natürlich hat man als Kind bzw. Jugendlicher keine Ahnung, was es mit dieser Krankheit auf sich hat, geschweige denn, kann man sich vorstellen, jemals selbst damit zu tun zu haben.

Bei mir fing es im Jahr 2000 an, aber selbst da habe ich im Traum nicht daran gedacht, dass mich diese Krankheit mal so einschränken und mir das Leben zur Hölle machen würden.

Mitte/Ende der 90er Jahre war ich auf dem absoluten Höhenflug. Beruflich erfolgreich, mit einem sechsstelligen Jahresgehalt, bei Kollegen, Kunden und im Freundeskreis beliebt, mit einem fantastischen Kontakt zu meinem Sohn, der 1991 zur Welt gekommen war und der oft an den Wochenenden bei mir war. Bei den Frauen hatte ich die freie Auswahl, was ich nur zu gerne ausgenutzt habe und in dieser Zeit auch etliche Liebschaften hatte. Mein Zuhause hatte ich nur zum schlafen, jede freie Minute war ich unterwegs und hatte meinen Spaß.

Im Nachhinein möchte ich mich bei einigen Frauen für mein Verhalten entschuldigen. Ich war in dieser Zeit unreif, überheblich und sicher auch arrogant, aber wie heißt es so schön und treffend?

„wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis“

Der 24. Mai 1997 sollte meinem Leben dann eine entscheidende Wendung geben. An diesem Tag habe ich auf dem Weinfest, auf dem Kölner Neumarkt meine „Traumfrau“ kennen gelernt, oder besser gesagt, wiedergesehen.  Zum ersten Mal gesehen hatten Michaela und ich uns ca. 1990, als sie mit ihrem Mann mehrere Videotheken in Köln betrieb und ich sie für RCA Columbia im Außendient betreut habe. Sie fand mich von Anfang an arrogant, läbsch und uninteressant. Sie war für mich eine verwöhnte Zicke, die sich toll vorkam und das auch nach außen hin deutlich machte.

Irgendwann trennte sie sich von ihrem Mann und der Kontakt brach ab. Gut so, was will ich auch mit so einer „Zicke“, wenn es tausend andere Frauen gibt, die meinem Charme erliegen konnten?

An diesem Samstag war aber plötzlich alles anders. Vielleicht lag es am herrlichen Wetter, an der ausgelassenen Stimmung in unserer kleinen Truppe, oder am Wein, den wir uns an verschiedenen Ständen zu Gemüte führten und der, zumindest bei mir, schnell seine Wirkung zeigen sollte. Dazu muss man wissen, dass ich überhaupt kein Weintrinker bin.

Kölner trinken Kölsch, dieses herrlich süffige, obergärige Bier, dass, frisch gezapft, in 0,2l Stangen serviert wird und einem so wohltuend die Kehle hinunter gleitet, dass alle inneren Organe in helle Freude ausbrechen.

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Wie dem auch sei, Michaela und ich haben uns an diesem Tag super verstanden und zumindest mir war klar, dass ich sie unbedingt und schnellstmöglich wiedersehen wollte. Dank der inzwischen fortgeschrittenen Technisierung der Menschheit, haben wir unsere Handynummern ausgetauscht und wenn ich mich richtig erinnere, habe ich ihr noch am gleichen Abend eine erste SMS geschickt. Ich weiß allerdings nicht, ob sie mein Alkoholbenebeltes Geschreibsel überhaupt entziffern konnte.

Ihr schien es zum Glück aber ähnlich zu gehen und 14 Tage später verabredeten wir uns zum Essen  und Kino in Hürth. Wieder haben wir uns toll verstanden, haben unheimlich viel gelacht, uns gegenseitig mit unserer anfänglichen Aversion aufgezogen, aber auch über ernste Themen gesprochen. Der frühe Krebstod ihrer Mutter, den sie nie verkraftet hat, oder die ganze Geschichte um Diana und meinen Sohn, auf die ich in einem gesonderten Thread noch eingehen werde. Ich mag Gespräche, die nicht nur oberflächlich dahinplätschern, oder in denen ich keinen Monolog halten muss, weil mein Gegenüber nichts sagen möchte, oder schlimmstenfalls nichts zu erzählen hat.

~~wird fortgesetzt~~

8 Kommentare zu “Depression – Der Anfang

  1. Petra Hahn

    Schreib bitte weiter , Manni . Ich warte auf die Fortsetzung .

    LG Petra

  2. Sehr gut ge- und beschrieben, Manni!

  3. Weiter so Manni, ich warte …

  4. …unglaublich – an Dir ist ein Schriftsteller verloren gegangen. Du hast eindeutig Deinen Beruf verfehlt.
    Freue mich auf die Fortsetzungen…

  5. Jupp Bläser

    Hi Manni. Sehr interessant was und wie Du hier schreibst. Wir könnten zusammen bestimmt ein tolles Buch machen. Mach weiter so. Liebe Grüße Jupp!!!

  6. Angela Sass

    Super Manni, aber so kenne ich Dich ja!!!!!!!!!

  7. Sylvi Matuschek

    Hab es auch gelesen und bin begeistert…….möchte wissen wie es weitergeht. Kann ich deinen Blog auch abonnieren???

    Liebe Grüße Sylvi

  8. Karin Döring

    Hallo Manni 😉
    Bin begeistert und hätte immer weiter lesen können.
    Bitte mehr davon. 🙂
    Könntest eigentlich ein
    Buch schreiben!
    Drück dich 😉
    Dicken Knutscher
    Karin :-*

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